Kochen wie die Profis

9. April 2013, 17:00
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Immer mehr Leute wollen Jamie Oliver, Tim Mälzer & Co nacheifern und besuchen einen Kochkurs beim Profi

Seit einigen Jahren kochen Jamie Oliver, Tim Mälzer und Co erfolgreich im TV für genussfreudige Hobbyköche und solche, die es noch werden wollen. Wie da mit frischen Zutaten zwanglos jongliert wird und wie flott die Speisen angerichtet sind, verzaubert Frauen und Männer. Kein Wunder, dass immer mehr Kochkurse angeboten und gebucht werden.

Doch der Weg von der Couch vor dem Fernseher in die Küche vor den Herd kann ganz schön lang und mühsam werden, wenn nicht Profis einen an der Hand nehmen würden. Profis wie Karl Wrenkh. Der 25-Jährige leitet gemeinsam mit seinem Bruder Leo das Restaurant "Wrenkh" in der Wiener Innenstadt. Seit zwei Jahren bieten die zwei Köche mit dem Spitzbuben-Gesicht auch den „Kochsalon" an.

In den mehrstündigen Kursen wird alles vermittelt, was man wissen muss, wenn man Klassiker der Weltküchen von Wien bis Mumbai in den eigenen vier Wänden nachkochen möchte. "Wir bieten für Einsteiger als auch für Halb-Profis gemeinsam Kurse an, Gemüse schneiden muss schließlich jeder beim Kochen", erklärt Karl Wrenkh – und das ist auch die erste Aufgabe der KochschülerInnen des Kurses "Mediterran Kochen – leicht und lecker" am Samstagnachmittag.

Im hinteren Teil des "Wrenkh" ist ein großer Koch- und Experimentierbereich aufgebaut. Vier Induktionsherdplatten warten auf ihren Einsatz, rundherum stapeln sich Dutzende Schüsseln, Töpfe und Pfannen. Saftiges Gemüse liegt zum Putzen bereit, knackige Garnelen, glänzender Fisch und rosiges Fleisch wollen filetiert, ausgenommen und gebraten werden.

Keine graue Theorie

Die Kochschüler Tino, Gunther und Elfi werden mit Schürzen und Messern bewaffnet und das große Schnippeln beginnt. Während Tino Knoblauch und Zitronenschale reibt, macht sich Elfi an die Garnelen ran und Gunther versucht den Fisch zu bändigen. Alle drei sind noch lange keine Kochprofis, haben aber bereits einen Kochkurs hinter sich. Karl Wrenkh teilt seine Kochschüler ordentlich ein, Zeit zum Verschnaufen bleibt keine. Nach dem Kurs werden sie zehn Gerichte und drei Fonds gekocht haben. Sie werden lernen, dass Honig Säure ausgleicht, Gemüsereste sich noch verwerten lassen und Safran den Reis nicht unbedingt gelb macht.

"Die wichtigsten Zutaten in der mediterranen Küche sind Olivenöl, Salz und Pfeffer", sagt Karl am Anfang des Kurses – und behält Recht. Nachdenklich schmeckt Tino das Risotto ab. "Da fehlt noch Salz!", sagt der 40-jährige Software-Entwickler entschlossen und streut eine Prise nach. Das Fleisch ertränkt er im Öl, Karl Wrenkh schreitet schnell ein und rettet die Kalbsschnitzel vor dem Ersaufen. Tino lächelt. "Es duftet herrlich, ich liebe die italienische Küche!" sagt er mehrmals während des Kurses, den er von seiner Frau geschenkt bekommen hat. Tino kocht gerne privat, besonders, seitdem er Vater geworden ist und frisch zubereitetes Essen einen größeren Stellenwert bekommen hat. Nur an der Zeit und an neuen Ideen hapert's manchmal.

Die neue Lust am Kochen

"Unsere Kochkurse werden sowohl von Frauen wie auch von Männern gerne und gut gebucht", erzählt Karl dann beim gemeinsamen Verspeisen von selbst püriertem Olivenaufstrich, Garnelen-Salat und Paradeiser-Basilikum-Pesto. "Aber es gibt einen leichten Männer-Überhang." Warum das so ist, kann sich Karl Wrenkh nicht wirklich erklären. "Klar ist, dass die Profi-Kochwelt von Männern dominiert ist. In den letzten Jahren hat Kochen an Prestige dazugewonnen, es ist schick geworden - auch für junge Männer - wieder richtig kochen zu können."

In Zeiten, in denen auch junge Frauen mit Kochen nichts mehr am Hut haben, entdecken viele die neue Lust am Kochen und an der Geselligkeit. "Kochsendungen auf allen Fernsehkanälen und Kochbücher in allen Bücherregalen tun ihr Übriges, um der Küche wieder mehr Bedeutung zu geben", meint Karl Wrenkh. Er selbst steht in seinem Restaurant nicht mehr in der Küche, sondern ist nur mehr dafür zuständig, anderen das Kochen beizubringen.

Tino hat vom Kochkurs profitiert. "Ich werde nächstes Wochenende gleich was nachkochen", sagt er begeistert und fotografiert mit seinem Handy die brutzelnden Speisen in der Pfanne. Das Foto schickt er seiner Frau – als Beweis dafür, dass er heute wirklich selbst den Kochlöffel geschwungen hat. Auch Elfi und Gunther sind zufrieden. Das Ehepaar hat den Kurs von seiner Tochter geschenkt bekommen und nascht nun am selbst zubereiteten Fenchel-Tomaten-Salat und dem Melanzani-Aufstrich.

Gunther nippt erschöpft an einem Glas Wein. "Das viele Stehen ist ganz schön heftig", sagt er. "Und es ist gar nicht leicht, die Übersicht bei so vielen Speisen in so vielen Töpfen zu behalten", meint Elfi. Karl Wrenkh wuselt inzwischen davon, räumt Geschirr weg, diskutiert mit seinen Mitarbeitern über die Nachspeise. Die bekommen die KochschülerInnen aus der Restaurant-Küche serviert – Schokoladenkuchen und Topfentorte.  (Karin Jirku, derStandard.at, 9.4.2013)

Weitere Infos zum Wrenkh – Wiener Kochsalon (Bauernmarkt 10, 1010 Wien)


Weitere Kurse:

Art cooking (1140 Wien)
Kochkurse der besonderen Art

Babette's (1040 Wien)
Spice and books for cooks – und Kochkurse

Auch die Volkshochschulen bieten verschiedene Kochkurse an, z.B. Single-Kochkurse, Vegan Kochen und Köstliches für Flexitarier.

  • Der Kochkurs kann beginnen.
    foto: karin jirku

    Der Kochkurs kann beginnen.

  • Elfi, Karl, Gunther und Tino wetzen die Messer
    foto: karin jirku

    Elfi, Karl, Gunther und Tino wetzen die Messer

  • Ein Blick in den Topf - alles in Ordnung?
    foto: karin jirku

    Ein Blick in den Topf - alles in Ordnung?

  • Frische Zutaten sind ein Muss
    foto: karin jirku

    Frische Zutaten sind ein Muss

  • Fertig! Der Kochkurs ist zu Ende, Karl verabschiedet sich von seinen Schülern
    foto: karin jirku

    Fertig! Der Kochkurs ist zu Ende, Karl verabschiedet sich von seinen Schülern

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