Georg Gräwe: Impulsive Gestaltung der Spontaneität

25. März 2013, 17:17
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Der Pianist gastiert im Porgy & Bess: An seiner Seite hört man Bassist Peter Herbert und Schlagzeuger Wolfgang Reisinger

Wien – Klavier solo – das kann schon eine recht heikle, entlarvende Angelegenheit sein: Auf sich allein gestellt, muss der jeweilige Tastendenker in einsamer Spielsituation Gestaltungsfarbe bekennen.

Und ist er, wie der Bochumer Georg Gräwe (Jahrgang 1956), nicht irgendwer, vielmehr einer der wichtigen deutschen Pianisten mit internationalem Flair, muss er auch entsprechende Vergleiche mit arrivierten Kollegen aushalten. Keinerlei Problem: Gräwe war unlängst in der Alten Schmiede – und was für ein Konzert! Eine energetisch aufgeladene Welt voller Verdichtungen und freitonaler Meditationen über Motive und deren Variationsmöglichkeit war zu erleben.

Hier hörte man einem der europäischen Moderne verpflichteten jazzkundigen Musiker, wie er abseits plakativer Ekstatik Intensität mit subtil-introvertierten Mitteln produzierte.

In eine solche Solosituation fließen natürlich reichlich kompositorische und in Kollektiven gesammelte Erfahrungen mit ein: Da gab es das 1981 gegründete Grubenklangorchester, auch das Chamber Ensemble. Zudem sind da immens schöpferische Trioideen zu nennen, die zusammen mit Cellist Ernst Reijseger und Drummer Gerry Hemingway umgesetzt wurden. Auch kooperierte Gräwe mit Saxofonisten wie Anthony Braxton und John Tchicai.

Nun ist Georg Gräwe – zum Teil lebt er in Wien – im Porgy & Bess wieder im Trio zu hören: Zusammen mit Bassist Peter Herbert und Wolfgang Reisinger wird es wohl wieder (wie beim Solo) um die Gestaltung von Freiheit und Spontaneität gehen. Wobei: Auch die Kollegen sind Könner mit signifikantem solistischem Potenzial, was auf einen pulsierenden Trialog abseits hierarchischer Rollenverteilung schließen lässt. (Ljubiša Tošic, DER STANDARD, 26.3.2013)

Porgy & Bess, 26.3., 20.30

  • Der grandiose Pianist  ist am Dienstag im Porgy & Bess im Trio zu hören.
    foto: standard/robert newald

    Der grandiose Pianist  ist am Dienstag im Porgy & Bess im Trio zu hören.

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