Der falsche Traum vom schnellen Geld

26. März 2013, 13:53
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Trotz drakonischer Strafen gibt es Falschgeld, seit es Geld gibt. Die Nationalbank zeigt Beispiele von der Antike bis heute

Im vergangenen Juli schaffte es ein Tscheche, einen Eintausend-Euro-Schein mit nackten Frauen in erotischen Posen in Kronen zu wechseln. Der Schein war im Stil echter Euro-Scheine hergestellt, statt der griechischen Euro-Schreibweise stand da allerdings das Wort "Eros". Erst als der getäuschte Verkäufer mit dem Schein zu seiner Bank ging, flog der Schwindel auf. Der Schein wurde aus dem Verkehr gezogen.

Laut Europäischer Zentralbank erging es im Jahr 2012 rund 531.000 Euroscheinen so. Auch die Anzahl der gefälschten Münzen stieg stark. Auf 100.000 echte Münzen kommt eine Fälschung, schätzt die EU-Kommission.

Fälschungen, seit es Geld gibt

Neu ist dieses Phänomen nicht. "Seit es Geld gibt, gibt es auch Fälschungen", sagt Armine Wehdorn vom Geldmuseum der Nationalbank. 

Erstes Falschgeld tauchte bereits im 7. Jahrhundert vor Christus auf, die Fälscher der Antike prägten Münzen aus minderwertigem Metall. Im frühen Mittelalter stand auf Geldfälschung der Verlust der rechten Hand, ab dem 13. Jahrhundert sogar die Todesstrafe. Selbst der Besitz einer Feinwaage stand zu dieser Zeit unter Strafe. Wirklich abhalten ließen sich viele Fälscher davon aber nicht.

Politisch motivierte Fälschereien

Historisch gesehen reicht deren Spektrum von dilettantischen Einzeltätern über organisierte Banden bis zu politisch motivierten staatlichen Aktivisten. So ließ Napoleon zwischen 1805 und 1809 in großem Stil Wiener Stadt-Banco-Zettel fälschen, um Österreich wirtschaftlich zu schwächen. Dieses erste Papiergeld hatte Kaiserin Maria Theresia 1762 eingeführt.

Ähnliche Ziele wie Napoleon verfolgte das NS-Regime mit der "Operation Bernhard" gegen England. Ziel der Mission war es ursprünglich, durch Massen von gefälschten Banknoten das Britische Pfund zu destabilisieren. Später standen die Devisenbeschaffung und die Bezahlung von Spionen im Vordergrund. Bekannt wurde diese größte staatliche Fälschungsaktion der Geschichte auch durch Stefan Ruzowitzkys oscarprämierten Film "Die Fälscher".

Todesstrafe abgeschafft und wieder eingeführt

Einer der bekanntesten österreichischen Geldfälscher war Peter Ritter von Bohr, seines Zeichens Mitbegründer der Ersten österreichischen Spar-Casse. Obwohl er Konkurs anmelden musste, wollte er seinen Lebensstil aufrechterhalten. Mit Fälschungen verursachte er einen Schaden von rund 28.000 Gulden. Ein Gericht verurteilte Bohr und seine Ehefrau im Jahr 1846 zum Tod durch Strang. Beide Strafen wurden durch kaiserlichen Gnadenerlass in Kerkerstrafen umgewandelt.

Die von Joseph II. abgeschaffte Todesstrafe für Münz- und Banknotenfälscher war 1803 wieder eingeführt worden, endgültig abgeschafft wurde sie im Jahr 1852. In China etwa oder in Vietnam dagegen gibt es sie heute noch. Aus diesem Grund sind Vertreter beider Zentralbanken bei Falschgeld-Seminaren der Deutschen Bundesbank unerwünscht.

500 Millionen Euro Schaden seit 2002

Am häufigsten nachgemacht werden derzeit 20- und 50-Euro-Scheine. Für jede sichergestellte Blüte legt das National Analysis Centre (NAC) der Nationalbank eine Akte an. In Zusammenarbeit mit der Polizei und mit Europol versucht man, jeder Spur nachzugehen, sagt Wehdorn. Und: Die Fälschungsintensität sei immer auch eine Frage des Marktes. Während der Schilling wegen seines kleinen Umlaufgebietes für Profifälscher nicht sonderlich interessant gewesen sei, habe man es jetzt mit einer weltweiten Währung zu tun, vergleichbar mit dem Dollar.

Seit der Einführung des Euro-Bargelds haben Fälscher laut Justizkommissarin Viviane Reding einen finanziellen Schaden von 500 Millionen Euro angerichtet. Man müsse auch gesetzliche Schlupflöcher schließen, um die Geldfälschung in der EU zu stoppen, sagte sie.

EU will härtere Strafen

Die Kommission plant, die Strafen drastisch zu erhöhen. Bereits ab 5.000 Euro Geldwert müssten Fälscher einem Entwurf zufolge in Haft, wer Blüten im Wert von mehr als 10.000 Euro herstellt, dem sollen mindestens sechs Monate drohen. Und das in allen 27 EU-Ländern.

Derzeit sind die Sanktionen in den einzelnen EU-Staaten sehr unterschiedlich. Während Irland und die Niederlande nur Geldbußen verhängen, drohen etwa in Griechenland und in Luxemburg mindestens zehn Jahre Haft. Auch die österreichischen Strafen sind im EU-Vergleich hoch, Geldfälscher müssen hierzulande mit einer Freiheitsstrafe zwischen einem und zehn Jahren rechnen.

Technik-Wettlauf

Die Scheine selbst sollen aber auch fälschungssicherer werden. Am 2. Mai kommt der neue Fünf-Euro-Schein in Umlauf. Wie dieser genau ausschauen wird, weiß man noch nicht, dass die Sicherheitsmerkmale erhöht wurden, ist aber schon bekannt. Auch diese Neuauflage kann als Teil eines Technik-Wettlaufs zwischen den Banken und den Fälschern gesehen werden.

Vor allem Erfindungen wie Farbkopierer und Scanner haben die sicherheitstechnischen Entwicklungen des Notendrucks beschleunigt, so Wehdorn. Im 19. Jahrhundert habe man die fotografischen Reproduktionsmöglichkeiten noch unterschätzt.

Ab 1841 schrieb man auf jeden Geldschein drauf, dass das Nachmachen bestraft wird. Dieser Usus hielt sich bis in die Mitte des vergangenen Jahrhunderts, auch wenn es dafür nie eine gesetzliche Verpflichtung gegeben habe, wie Wehdorn sagt. Die Banknote zu 20 Schilling im Jahr 1956 war die letzte, auf der ausdrücklich stand: "Die Nachmachung der Banknoten wird gesetzlich bestraft."

Kunst- und Werbesujet

Nicht jedes Spiel mit Geldscheinen aber ist eine Fälschung. Bei Verwechslungen oder absichtlichen Täuschungsversuchen kommt es dennoch zu Problemen. Die Reproduktionsvorschriften für die Verwendung des Sujets – zum Beispiel als Werbeträger oder als Spielgeld – sind deshalb sehr streng. Eine Werbekampagne des Tiroler Landestheaters etwa entsprach diesen nicht und wurde als Falschgeld eingestuft. (part, derStandard.at, 26.3.2013)

Hinweis:

Die Ausstellung "Schein und Sein. Den Fälschern auf der Spur" läuft noch bis zum 31. Jänner 2014. Sie zeigt rund 300 Objekte aus der Geschichte der Geldfälschung.

  • Seit es Geld gibt, gibt es auch Falschgeld.
    foto: derstandard.at/parteli

    Seit es Geld gibt, gibt es auch Falschgeld.

  • Eine der am häufigsten gefälschten Banknoten war der 100-Kronen-Schein von 1910.
    foto: österreichische nationalbank

    Eine der am häufigsten gefälschten Banknoten war der 100-Kronen-Schein von 1910.

  • So schaut es in einer Fälscherwerkstatt aus.
    foto: österreichische nationalbank

    So schaut es in einer Fälscherwerkstatt aus.

  • Eine Geldfälscheaktion, die es sogar zu Oscar-Ruhm gebracht hat, nannte das NS-Regime "Operation Bernhard". So sah eine Druckplatte für das britische Pfund aus,...
    foto: österreichische nationalbank

    Eine Geldfälscheaktion, die es sogar zu Oscar-Ruhm gebracht hat, nannte das NS-Regime "Operation Bernhard". So sah eine Druckplatte für das britische Pfund aus,...

  • ... und das war das Ergebnis.
    foto: österreichische nationalbank

    ... und das war das Ergebnis.

  • Dass die Täter nicht wussten, dass das Kopieren von Geld verboten ist, konnten sie nicht behaupten. Bis in die 1950er-Jahre war das auf jedem Schein ausdrücklich vermerkt.
    foto: derstandard.at/parteli

    Dass die Täter nicht wussten, dass das Kopieren von Geld verboten ist, konnten sie nicht behaupten. Bis in die 1950er-Jahre war das auf jedem Schein ausdrücklich vermerkt.

  • Am häufigsten gefälscht werden heute 20- und 50-Euro-Scheine. Im Bild eine 20 Euro Fälschung unter UV-Licht.
    foto: österreichische nationalbank

    Am häufigsten gefälscht werden heute 20- und 50-Euro-Scheine. Im Bild eine 20 Euro Fälschung unter UV-Licht.

  • Immer wieder werden neue Sicherheitsmerkmale eingeführt. Die Fälschungsversuche sind aber - wie an diesen 10-Euro-Scheinen ersichtlich - noch vielfältiger. Alle gezeigten Scheine sind wirklich in Umlauf gekommen.
    foto: derstandard.at/parteli

    Immer wieder werden neue Sicherheitsmerkmale eingeführt. Die Fälschungsversuche sind aber - wie an diesen 10-Euro-Scheinen ersichtlich - noch vielfältiger. Alle gezeigten Scheine sind wirklich in Umlauf gekommen.

  • Eine Werbeaktion des Tiroler Landestheaters wurde als Fälschung eingestuft und verboten.
    foto: österreichische nationalbank

    Eine Werbeaktion des Tiroler Landestheaters wurde als Fälschung eingestuft und verboten.

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