Was passiert im Kopf eines Suchenden?

25. März 2013, 15:43
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Wie das Gehirn seine Aufmerksamkeit auf gesuchte Eigenschaften lenkt - Tagung experimentell arbeitender Psychologen in Wien

Wien - Sucht man jemanden in der Menge, ist es oft zum Verzweifeln: Hier hat eine Person die gleiche Frisur wie der Gesuchte, dort trägt irgendwer eine genau so gestreifte Jacke. Wie es funktioniert, dass man meist trotzdem rasch fündig wird und was dabei im Kopf der Suchenden passiert, erklärte der Biologe und Psychologe Martin Eimer von der School of Psychology des Birkbeck College London (Großbritannien) heute, Montag, bei der 55. Tagung experimentell arbeitender PsychologInnen (TeaP) in Wien.

Noch bevor man zu suchen beginnt, legt man sich im Kopf ein Bild von dem Gesuchten zurecht, erklärte Eimer. Dies sei notwendig für den späteren Erfolg und passiere in bestimmten Bereichen des Hirns, nämlich an der Stirnseite der Großhirnrinde (präfrontaler Cortex) und im Sehzentrum. Man habe dies etwa in Versuchen mit Affen, die Schmetterlinge oder Blumen suchen mussten, herausgefunden, so der Experte.

Reiz verstärken

Beim tatsächlichen Ausschauhalten hebt das Gehirn zunächst alles hervor, was Ähnlichkeit mit dem Gesuchten hat. Weiß man zum Beispiel, dass er ein rot-weiß gestreiftes T-Shirt trägt, bestärken in der Gehirn-Hierarchie höher stehende Zellen alle vorgeschalteten Nervenzellen, die Rotes oder Gestreiftes melden. Jene die etwa grün senden, werden hingegen unterdrückt. So wird der passende Reiz verstärkt, erklärte Eimer im Anschluss an seinen Vortrag. Man könne damit aber freilich abgelenkt und fehlgeleitet werden, wenn man zum Beispiel etwas viel größeres, passend Gestreiftes erspäht.

Passiert dies, muss man zurück zum Start und der Prozess wiederholt sich, bis man den Gesuchten gefunden und erkannt hat. Meist verschwindet dann alles rundherum aus der Aufmerksamkeit und man wundert sich, warum man ihn nicht einfach gleich gesehen hat, so Eimer. In Wirklichkeit sei es eine hoch komplizierte Aufgabe, die man damit gelöst hat, sagte er.

Genau so, wie man in einem größeren Gebiet nach etwas bestimmten suchen kann und sich dabei auf Eigenschaften konzentriert, könne man die Aufmerksamkeit auch gezielt auf einen Ort lenken. Was dort passiert, würde nun verstärkt und alles rundherum unterdrückt. Dies geschieht etwa, wenn man im Kaffeehaus auf jemanden wartet, und dabei die Eingangstür fixiert.

Eimer hatte auch untersucht, wie schnell die Aufmerksamkeit von einem Objekt auf ein anderes springen kann. Versuchspersonen mussten dabei zum Beispiel nach 'etwas Rotem' Ausschau halten und sahen zunächst ein Bild, bei dem ein roter Buchstabe rechts abgebildet war, Mikrosekunden später wechselte das Bild und er erschien links. Dabei habe man gemessen, auf welcher Seite die Gehirnaktivität verstärkt wurde - es ist jeweils die andere Seite, auf der ein Reiz wahrgenommen wird. "Die Aufmerksamkeits-Sprünge passieren beinahe ohne Verzögerung", sagte Eimer.

Die Tagung experimentell arbeitender Psychologen findet von heute, Montag, bis 27. März erstmalig in Wien statt. Sie wird vom Institut für Psychologische Grundlagenforschung und Forschungsmethoden der Universität Wien organisiert und bringt laut Uni knapp 1000 Wissenschaftler aus allen Teildisziplinen der Psychologie zusammen. (APA, 25.3.2013)

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