Sparzinsen 2012 auf historischem Tief

25. März 2013, 13:46
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Die Österreicher legten ihr Geld vor allem in täglich fälligen Spareinlagen an, Private kauften wieder mehr Fonds- und Unternehmensanleihen

Wien - Trotz der starken Rückgänge bei den Sparzinsen haben die Österreicher auch im Vorjahr wieder mehr von ihrem Ersparten zu den Banken getragen. Dabei wurden vor allem täglich fällige Einlagen bevorzugt, während Einlagen mit Bindungsfristen eher abgebaut wurden, teilte OeNB-Chefstatistiker Johannes Turner mit. Sowohl Spar- als auch Kreditzinsen erreichten 2012 historische Tiefststände.

Von den insgesamt 215 Mrd. Euro, die Ende Dezember auf den Sparkonten lagen, entfielen demnach rund 77 Mrd. Euro auf täglich fälliges Geld. Das war ein deutlicher Zuwachs von 8,5 Mrd. Euro gegenüber dem Vorjahr. Einlagen mit Bindungsfristen von bis zu einem Jahr gingen dagegen um 4,4 Mrd. auf 72 Mrd. Euro zurück, ein- bis zweijährige gebundene Gelder machten 25 Mrd. Euro aus, ein leichtes Plus von 1,5 Mrd. Euro, und Sparkonten mit über zwei Jahren Bindung gaben um 2 Mrd. auf 40 Mrd. Euro nach.

In Österreich wuchsen die Einlagen laut OeNB im Vorjahr um 3,7 Mrd. Euro bzw. 1,8 Prozent, im gesamten Euroraum noch stärker um 3,9 Prozent.

Suche nach höheren Renditen

Auf der Suche nach höheren Renditen haben die privaten Haushalte laut Turner wieder vermehrt alternative Veranlagungen gesucht und wieder verstärkt in Investmentfonds und Unternehmensanleihen investiert. Netto wurden demnach im Vorjahr 0,9 Mrd. Euro Investmentfondsanteile gekauft, davon entfielen 230 Mio. Euro auf inländische und 620 Mio. Euro auf ausländische Fonds. 2011 wurden dagegen noch netto 1,85 Mrd. Euro inländische und 140 Mio. ausländische Fonds verkauft. Zusätzlich investierten die privaten Haushalte 2012 verstärkt mit 770 (2011: 394) Mio. Euro in Unternehmensanleihen.

Trotz des historisch niedrigen Zinsniveaus stieg im Vorjahr die Zinsspanne im Neukundengeschäft bei Unternehmen und privaten Haushalten von 0,78 auf 1,23 Prozentpunkte, zählte damit aber im Euroraum-Vergleich noch immer zu den geringsten Zinsspannen.

In Österreich lagen 2012 die Einlagenzinssätze deutlich unter dem Euroraum-Durchschnitt, der jedoch sehr stark von den südlichen Mitgliedsländern getrieben wurde, wo die Banken bis zu 5 Prozent für sehr kurzfristige Einlagen zahlen mussten, um zu Liquidität zu kommen. In Österreich ging dagegen der Zinssatz für neu vergebene Einlagen im Jahresverlauf um 1,02 Prozentpunkte auf 1,04 Prozent zurück.

Hinsichtlich der Kreditvergaben kann Turner in Österreich keine Kreditklemme erkennen. Das Wachstum bei Unternehmenskrediten erreichte im Dezember 1,4 Prozent, im Euroraum ging es dagegen um 2,3 Prozent zurück. Kredite an private Haushalte schwächten sich ab und erreichten nur noch 0,8 Prozent. Der Euroraum-Durchschnitt lag bei 0,5 Prozent.

Ausmaß an Krediten nimmt zu

An private Haushalte wurden 2012 neue Kredite im Ausmaß von 20,1 (2011: 18,4) Mrd. Euro vergeben, an Unternehmen sogar 80,9 Mrd. Euro - was laut OeNB aber durch sehr kurzfristige Kredite und großvolumige Barvorlagen verzerrt werde. Betrachtet man nur Firmenkredite mit Laufzeiten von über sechs Monaten, so wurden im Vorjahr 21 Mrd. Euro nach 20,8 Mrd. Euro 2011 vergeben.

Das relativ schwache Kreditwachstum bei Unternehmen dürfte vor allem damit zusammenhängen, dass im zweiten Halbjahr 2012 die Investitionen fast zum Erliegen kamen und Unternehmen ihre Einlagenpolster trotz sehr niedriger Zinssätze um 2,7 Mrd. Euro auf mehr als 50 Mrd. Euro erhöhten.

Im Gegenzug nutzen die Firmen die relativ günstigen Bedingungen verstärkt für eigene Emissionen. Die Nettoemissionen von Unternehmen stiegen um mehr als 30 Prozent von 3,9 auf 5,1 Mrd. Euro. Mit einem Plus von 1,2 Mrd. Euro lieferten die nichtfinanziellen Unternehmen als einzige einen wesentlichen Wachstumsbeitrag.

Langfristige Unternehmenskredite mit Laufzeit über fünf Jahre entwickelten sich mit 2,8 Prozent positiv, zwischen ein und fünf Jahren legten um 1,6 Prozent zu, bis zu einem Jahr verringerten um 2,1 Prozent.

Sowohl bei neu vergebenen Einlagen- als auch Kreditzinssätzen wurden im Vorjahr historische Tiefststände erreicht, die auch unter dem Euroraum-Niveau lagen. Für nichtfinanzielle Unternehmen fiel das Zinsniveau um 84 Basispunkte auf 1,91 Prozent, für private Haushalte um 67 Basispunkte auf 2,68 Prozent. (APA, 25.3.2013)

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    In Österreich lagen 2012 die Einlagenzinssätze deutlich unter dem Euroraum-Durchschnitt.

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