Besuchen Sie Europa!

27. März 2013, 16:54
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Reisen in Europa war noch nie so einfach wie heute. Aber wird es das auch bleiben?

In den 80er-Jahren waren Geier Sturzflug besorgt um Europa, damals fürchtete man sich noch vor den Folgen des Kalten Krieges, der zwischen den USA und Russland schwelte. Die Grenzen waren dicht, die Zollkontrollen mühsam, das Reisen war es manchmal auch. Dann war Ruhe, kamen Einigkeit und Frieden, Europa zu bereisen wurde zu einer großartigen Sache: offene Grenzen, eine Währung, Sicherheit.

Jetzt fürchten wir uns wieder. Langsam wird das Eis für Urlauber dünner in Europa. Wer dieser Tage einen Europaurlaub buchen will, muss bereits einiges an Risikofreude und Abenteuerlust mitbringen. Es geht heiß her in den Ländern der EU.

In Spaniens Städten erlebt man zwischen Kulturerbe und Touristenpaella nicht nur ausgestorbene Bars und Restaurants, sondern auch lautstarke Demonstrationen mit blutigen Prügeleien. Auch in Portugal muss man als Städtetourist jederzeit damit rechnen, sich inmitten einer zornigen Menge wiederzufinden. In Italien stürmen wütende Bürger die Straßen, in Griechenland sind lautstarke Demonstrationen zum Sprachrohr tausender verzweifelter Bürger geworden. Abseits all dessen ist man in besagten Ländern mit der fortschreitenden Armut konfrontiert, die kaum noch zu übersehen ist.

Wer nach Zypern fährt, muss sich fragen, ob er wohl den Kaffee noch wird bezahlen können, und sollte schon vorher den Bargeldbedarf in etwa berechnen und sich entsprechend eindecken. Man weiß ja nicht, ob und wie lange die Bankomaten Geld ausspucken werden.

Der Kalte Krieg ist letztendlich am Willen zu Frieden und Demokratie gescheitert, Europa wurde eines der reizvollsten Reiseziele der Welt. Es bleibt abzuwarten, wie wir in zehn Jahren Europa bereisen. (Mirjam Harmtodt, derStandard.at, 27.3.2013)

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    Werden bald nur noch Fotos von Demonstrationen unsere Fotoalben über Europareisen füllen?

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