Das Parlament - ein "Totalschaden"

25. März 2013, 18:15
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Parlamentsumbau: Im Mai werden zehn Architekturbüros mit Entwurf beauftragt

Wien - Die längst überfällige Sanierung des Parlaments geht in die nächste Runde. Am Freitag endete die sogenannte Präqualifikationsphase, in der sich internationale Büros und Konsortien mit Arbeitsproben und Referenzprojekten für die Teilnahme zum Generalplanerwettbewerb bewerben konnten. Daraufhin zog Nationalratspräsidentin Barbara Prammer (SPÖ) am Montag eine Art Zwischenbilanz.

Allein, der Neuigkeitswert hielt sich in Grenzen. Die Anzahl der teilnehmenden Büros wird vorerst geheim gehalten. "Ich kann keine Details zu dieser Bewerbungsphase verraten, ich kann nur so viel sagen: Die Anzahl ist sehr erfreulich, und die Qualität der Beiträge beweist, dass an der Sanierung des Parlaments reges Interesse besteht." Eine siebenköpfige Architektenkommission (Vorsitz Ernst Beneder) wird nun bis Ende Mai beschließen, welche zehn dieser "zahlreichen" Büros in die zweite, anonyme Stufe dieses "Auswahlverfahrens mit wettbewerbsähnlichem Charakter" geschickt werden. Bis Jahresende sollen Entwurfskonzept und Kostenkalkulation auf dem Tisch liegen.

"Das Parlament entspricht heute weder Bauordnung, Erdbebennorm und Brandschutz noch dem Dienstnehmerschutz", sagte Beneder. "Ich gehe davon aus, dass es in diesem Bauwerk keinen einzigen Bauteil gibt, der nicht in irgendeiner Art und Weise ertüchtigt oder erneuert werden muss. Ein Großteil des Budgets wird daher in die Sanierung jener unsichtbaren, technisch prähistorischen Teile fließen, wo das Parlament im Verborgenen fast schon einem Totalschaden gleicht."

Hohem Haus droht Sperre

Die Zeit drängt. 2015 laufen Betriebsgenehmigungen aus. Sollte das Sanierungs- und Umbauprojekt bis dahin nicht fixiert sein, droht dem Hohen Haus die Sperre durch die Baupolizei. "Falls nötig", so Prammer, " werden wir mit der Baupolizei nachverhandeln." Wie es scheint, werden diese Verhandlungsgespräche unumgänglich sein. Denn selbst im besten Falle gilt ein Baubeginn vor 2016 als unwahrscheinlich. Prammer: "Das ist die komplizierteste Baustelle der Republik. Wir wollen uns daher gut vorbereiten."

Diese Komplikationen schlagen sich auch auf das Budget nieder. In einer Machbarkeitsstudie hatte das Wiener Büro Frank & Partner vergangenes Jahr einen Gesamtkostenrahmen von 400 Millionen Euro geschätzt. Prammer: " Das ist eine absolute Grobschätzung, aber ich würde diesen Betrag als Maximalrahmen sehen." Die Kosten, fügte Juryvorsitzender Beneder hinzu, dürften ruhig auch unterschritten werden: "Die beste Architektur ist nicht immer die teuerste. Hier geht's vor allem um blitzgescheite Lösungen."

Das gesamte Projekt wird vom Rechnungshof und von der Antikorruptionsorganisation Transparency International begleitend kontrolliert. Für die Nationalratsabgeordneten scheint eine Sache jedoch unausweichlich: der temporäre Umzug in die Räumlichkeiten der alten Wirtschaftsuniversität Wien. "Ich bin auf jeden Fall für eine Umsiedelung", meinte Prammer. "Auch im Fall einer nur Teilsanierung des Parlaments." (Wojciech Czaja, DER STANDARD, 26.3.2013)

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    Die Generalsanierung des Parlaments: Ein "sehr, sehr großes Projekt", wie Nationalratspräsidentin Barbara Prammer meint.

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