Kreuzfahrt im Öko-Kreuzfeuer

6. Mai 2013, 07:49
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Mit Ressourceneffizienz und Emissionsreduktion sollen Kreuzfahrtschiffe umweltschonender werden. Damit will man Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen

Über 300 Hochseeschiffe befahren die Weltmeere – von der Antarktis bis in die Tropen. Die schwimmenden Hotels sind beliebt wie nie, aber auch heftig umstritten: An der Frage, wie umweltschädlich es ist, mit einem Kreuzfahrtschiff zu verreisen, scheiden sich die Gemüter. Der seit einiger Zeit in Deutschland zwischen Naturschutzverbänden und der Kreuzfahrtindustrie tobende Streit, ob und wie die Umweltfreundlichkeit der Hochseegiganten zu erhöhen sei, erhielt im Mai 2012 mit der Verpflichtung der Greenpeace-Mitbegründerin Monika Griefahn als neue Umweltbeauftragte der Rostocker Reederei Aida Cruises neuen Aufwind. Kritikern gehen die gesetzlichen Rahmenbedingungen und freiwilligen Maßnahmen der Kreuzfahrtindustrie nicht weit genug, die Reedereien beteuern indes, alle technischen Möglichkeiten auszuschöpfen, um den Treibstoffverbrauch und damit auch den Emissionsausstoß der Schiffe zu verringern.

Grünes Bewusstsein oder weißeres Image?

Inwieweit das Nachhaltigkeitsengagement der Kreuzfahrtindustrie in einem ökologischen Bewusstsein verwurzelt ist, bleibt der persönlichen Beurteilung überlassen. Unbestritten ist, dass einige Reedereien mit Nachdruck daran arbeiten, ihre Umweltschutzmaßnahmen auf freiwilliger Basis zu verbessern – und zwar über die gesetzlichen Verpflichtungen hinaus. Als maritime Abteilung der Vereinten Nationen ist die International Maritime Organization (IMO) für gesetzliche Regelungen im weltweiten Schiffsverkehr zuständig und somit auch für Umweltregelungen auf Kreuzfahrtschiffen, die nur knapp 0,5 Prozent der globalen zivilen Hochsee-Flotte ausmachen.

Mit der "International Convention for the Prevention of Pollution from Ships" (auch MARPOL genannt), erließ die IMO das weltweite Übereinkommen zum Gewässerschutz, welches das Einleiten von Abwässern, die Ölentsorgung, den Emissionsausstoß und die Abfallentsorgung auf Kreuzfahrtschiffen regelt. Zudem wurde 2008 ein europaweites Verbot von Schweröl als Treibstoff ab dem Jahr 2020 beschlossen, 2025 soll dieses weltweit gelten. In Küstennähe, in Häfen sowie in ökologisch sensiblen Regionen dürfen Kreuzfahrtschiffe schon heute ausschließlich mit schwefelarmen Treibstoffen angetrieben werden.

Diesel statt Schweröl

Der von Umweltschutzorganisationen geforderte sofortige Umstieg auf umweltschonendere Dieselkraftstoffe ist laut Einschätzung der Cruise Lines International Association Europe aus ressourcentechnischen Gründen unrealistisch. Die aktuell verfügbaren Marinediesel-Kapazitäten würden nicht ausreichen, um damit die gesamte Kreuzfahrtschifffahrt zu versorgen. Dennoch rüsten schon einige Reedereien Teile ihrer Flotte auf den Einsatz von Diesel als Kraftstoff um.

In den neuen Schiffsgenerationen werden zunehmend Motoren eingesetzt, die mit Schiffsdiesel und Flüssiggas betrieben werden. Letzteres hat den Vorteil, dass es keine Schwefeloxid-Emissionen erzeugt, der Ausstoß von Stickoxid um etwa 80 Prozent verringert wird und bei der Verbrennung von Gas keine Russpartikel entstehen. Momentan sind die gesetzlichen Voraussetzungen noch nicht geschaffen, um Flüssiggas während der Fahrt auf Passagierschiffen zu bunkern, in Häfen mit entsprechender Infrastruktur können Kreuzfahrtschiffe aber schon heute während der Liegezeit mit Strom aus Flüssiggas beziehungsweise mit Landstrom versorgt werden.

Minimierung der klimaschädlichen Abgase

Schädliche Emissionen zu verringern gilt als eine der größten Herausforderungen im Umweltschutz – auch auf hoher See. Da eine Nachrüstung mit Rußpartikelfiltern oder Scrubbern auf Kreuzfahrtschiffen technisch und aus Platzgründen oftmals nicht realisierbar ist, werden zunehmend Katalysatoren als alternative Lösung erachtet. Die einfachste Maßnahme zur Minimierung von umweltschädlichen Schiffsabgasen stellt jedoch die Drosselung der Fahrtgeschwindigkeit auf Langstrecken dar. Dadurch können insbesondere die CO2- und Schwefelemissionen, aber auch die Rußemissionen sofort wirksam gemindert werden. Der Verzicht auf "die letzten Knoten" senkt den Treibstoffverbrauch um rund ein Drittel.

Energieeinsparung durch Reibungsreduktion

Neben der hydrodynamischen Optimierung von Kreuzfahrtschiffen – etwa durch entsprechendes Rumpfdesign oder strömungsoptimierte Propeller – spielt die Verringerung der Reibung eine wichtige Rolle bei der Energieeinsparung. Diese wird beispielsweise durch Silikonanstriche erreicht. Die 2015 und 2016 in Dienst gestellte neue AIDA Schiffsgeneration wird als weltweit erste mit der Mitsubishi Air Lubrication Technologie (MALS) ausgestattet sein. Durch dieses System werden die Schiffe künftig auf einem Luftblasenteppich gleiten lassen, wodurch der Reibungswiderstand verringert, Antriebsenergie gespart und der Treibstoffverbrauch gesenkt wird. (Gudrun Just, derStandard.at, 6.5.2013)

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