Medienkooperationen: Watchdogs und Schoßhunde

Kommentar24. März 2013, 19:24
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Medien müssen immer abwägen, wo Information aufhört und Manipulation anfängt

"Wenn ich Inhalte in der Presse so dargestellt haben will, wie ich das möchte, muss ich dafür bezahlen", erklärte kürzlich ein Pressesprecher, der jahrelang für Regierungsbüros in der Steiermark werkte, dem STANDARD. Das sei doch ganz normal. Manche "komplexe Themen" bräuchten eben Platz, er verstehe da die Aufregung nicht. Die "naive" Nachfrage, ob eine Pressekonferenz keine Alternative sei, quittierte er mit Verwunderung.

Nun sind klar als solche für die Leserschaft erkennbare Inserate von politischen Büros die eine Sache. Redaktionelle Beiträge, die durch sogenannte "Medienkooperationen" entstehen, eine andere. Auch sie müssen als solche ausgewiesen sein. Da gilt es für jedes Medium, immer abzuwägen, wo Information aufhört und Manipulation anfängt. Abgesehen davon, dass sich kleinere Parteien solche Kooperationen gar nicht leisten könnten, muss man immer fragen: Beiße ich die Hand, die mich füttert, oder könnte ich eine Beißhemmung entwickeln?

Die - von ihr selbst dementierten - Wünsche der steirischen ÖVP-Landesrätin Kristina Edlinger-Ploder nach bezahlten Berichten wurden von den Medien nicht erfüllt. Dennoch ist Vorsicht angebracht: Präpotente Politiker, die sich dressierte Schoßhündchen statt Watchdogs in den Redaktionen erwarten, gibt es viele. Doch Watchdogs tun nichts anderes, als über die Demokratie zu wachen. Nur dafür werden sie von ihren Lesern bezahlt. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, 25.3.2013)

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