Spaniens Sparer verlieren Teil ihrer Ersparnisse

24. März 2013, 18:12
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Sparer, die Beteiligungsscheine an Kreditinstituten erwarben, müssen für Bankensanierung aufkommen

Während in Zypern die Verhandlungen über die Sondersteuer für Guthaben bei den Banken noch laufen, werden in Spanien bereits Sparer zur Kasse gebeten. Die konservative Regierung von Premier Mariano Rajoy hat per Dekret umgesetzt, wozu sie sich vergangenen Sommer gegenüber der EU im Memorandum für die Finanzhilfe aus dem EU-Rettungsschirm verpflichtete. Spanien bekommt bis zu 100 Milliarden Euro, um den angeschlagenen Bankensektor zu sanieren. Im Gegenzug müssen Kleinanleger bluten.

Es geht um die Preferentes - sogenannte Vorzugsbeteiligungen. Das Dekret sieht vor, dass bei den vom staatlichen Fonds zur Bankenrestrukturierung (FROB) intervenierten Banken und Sparkassen 200.000 Anleger zwischen 38 und 61 Prozent ihres Geldes verlieren. Die Gesamtsumme beläuft sich auf mehr als sechs Milliarden Euro. Allein bei der hauptstädtischen Pleitebank Bankia verlieren 100.000 Kunden 38 Prozent ihres Ersparten. Der Restbetrag wird in Aktien umgewandelt, die mittlerweile völlig wertlos sind.

Schlimmer als in Zypern

"Das ist Betrug. Ein großer Teil der Kosten der Bankenrettung wird auf die Kunden abgewälzt", beschwert sich Manuel Pardos, Vorsitzender der Verbraucherschutzorganisation Adicae. Das Dekret betreffe weniger Menschen als in Zypern, sei aber für die Betroffenen wesentlich schlimmer.

Die Kundenberater richteten sich mit den Preferentes vor allem an Inhaber von langfristigen Festgeldkonten, viele von ihnen Rentner aus einfachen Verhältnissen. Sie priesen die Anlagen als völlig sicher an und versprachen eine Rendite von sechs bis sieben Prozent. Kunden berichten, dass ihnen versprochen wurde, sie könnten ihr Geld jederzeit wieder abheben. "Doch Preferentes sind keine Sparguthaben, sondern komplexe Finanzprodukte", beschwert sich ein Anwalt, der jetzt bei Adicae eine von 16 Sammelklagen der Betroffenen betreut. Die Kunden - " Sparer und keine Investoren" - seien gezielt betrogen worden.

Tatsächlich sind Preferentes Beteiligungen, die nicht an der Börse, sondern auf einem Parallelmarkt gehandelt werden. Die Anlage läuft nicht aus, das Geld bekommt nur zurück, wer seine Preferentes weiterverkauft. Die Rentabilität ist nicht sicher, das Grundkapital - im Gegensatz zu Bankeinlagen unter 100.000 Euro - ist nicht durch den Staat gewährleistet. Insgesamt wurden in Spanien Preferentes für 26 Milliarden Euro an 710.000 Kunden verkauft. 37 Finanzinstitute und drei große Konzerne haben solche Beteiligungen aufgelegt. Mehr als die Hälfte wurde nach 2007 verkauft.

Fiasko

Damals zeichnete sich bereits das Fiasko der Banken und Sparkassen ab. Jahrelang hatten sie mit großzügigen Kundenkrediten den Wohnungsmarkt angeheizt. Ausstände und Rücklagen gerieten in ein Missverhältnis. Als dann in Folge der internationalen Finanzkrise auch die spanische Immobilienblase platzte, wurden plötzlich "gute Investitionen" zu " toxischen Aktivposten". Die Finanzinstitute brauchten dringend Eigenkapital.

Das am Freitag verabschiedete Gesetz sieht eine Schlichtungsstelle für Kunden vor, die beweisen wollen, dass sie schlecht informiert wurden, und deshalb ihr gesamtes Kapital zurückfordern. Diese Schlichtungsverfahren sollen von staatlicher Seite von einer Kommission überwacht werden. Dieser Kommission steht die gleiche Person vor, die auch die Börsenaufsicht führt, die jahrelang wegschaute, während die Preferentes ausgegeben wurden. (Rainer Wandler aus Madrid, DER STANDARD, 25.3.2013)

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