Israel und Türkei wollen wieder Partner sein

24. März 2013, 18:27
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Der blutige Konflikt in Syrien macht es möglich: Nach einer öffentlichen Entschuldigung der Israelis für die Toten auf der Mavi Marmara versuchen Jerusalem und Ankara das einst so enge Bündnis zwischen beiden Staaten wiederzubeleben

Eine Entschuldigung Israels bei der Türkei für den Tod von türkischen Aktivisten auf der Gaza-Hilfsflotte 2010 wurde zum überraschenden finalen Höhepunkt des Besuchs von Barack Obama im Nahen Osten. In Anwesenheit des US-Präsidenten hatte Israels Premier Benjamin Netanjahu vor der Verabschiedungszeremonie vom Flugfeld aus mit seinem türkischen Amtskollegen Recep Tayyip Erdogan telefoniert.

Einem israelischen Statement zufolge präsentierte Netanjahu dabei " Israels Entschuldigung beim türkischen Volk für alle Fehler, die zum Verlust von Leben oder zu Verletzungen geführt haben könnten". Israel habe auch Entschädigungszahlungen zugestimmt. Nun sollen die diplomatischen Beziehungen rasch wieder aufgenommen werden.

Am 31. Mai 2010 hatten neun Schiffe versucht, die Gaza-Blockade zu durchbrechen. Bei Kämpfen auf dem größten Schiff, der türkischen Mavi Marmara, wurden neun türkische Staatsbürger getötet und einige israelische Soldaten verletzt. Bisher hatte Israel zwar sein "Bedauern" über die Todesfälle ausgedrückt, aber eine Entschuldigung mit der Begründung verweigert, dass seine Soldaten angegriffen worden seien.

"Entschuldigung"

Für Erdogan war entscheidend, dass nun ausdrücklich das Wort "Entschuldigung" fiel. Die israelische Führung versucht nach der Kehrtwende das Gesicht zu wahren, indem sie betont, die Entschuldigung habe sich bloß auf "Einsatzfehler" bezogen. Zudem habe die Türkei ihrerseits eine ihrer Bedingungen für die Aussöhnung, nämlich die völlige Aufhebung der Blockade des Gazastreifens, zurückgezogen.

Israels früherer und vielleicht künftiger Außenminister Avigdor Lieberman kritisierte die Entschuldigung aber als "schlimmen Fehler", der "der Motivation der israelischen Soldaten schadet". "Es gab keinen US-Druck, es war unsere Idee, aber ohne Zweifel hat die Gegenwart der Amerikaner dazu beigetragen, dass wir das abschließen konnten", sagte Israels nationaler Sicherheitsberater Jaakov Amidror. Die Absicht dahinter sei, "gemeinsam und mit besserer Zusammenarbeit das Problem Syrien zu behandeln".

Triumphalismus

In der Türkei herrschten indes Genugtuung und Triumphalismus. Eine neue Ära sowohl für die Türkei als auch die Region beginne nun, erklärte Premier Erdogan bei einem Auftritt in der Provinz am Wochenende. Offenbar in Anspielung auf die Glanzzeiten des Osmanischen Reichs sagte Erdogan: "Wir sind am Anfang eines Prozesses, der die Türkei auf eine Position erheben wird, von der aus sie wieder Mitsprache, Initiative und Macht hat, wie sie es in der Vergangenheit hatte."

Türkische Kommentatoren erklärten Netanjahus Entschuldigung mit den Überredungskünsten von Obama, den politischen Umwälzungen in den arabischen Ländern und den Gasvorkommen im östlichen Mittelmeer, an deren Ausbeutung auch die Türkei beteiligt sein will. Mit Blick auf die Siedlungspolitik im Westjordanland merkte die regierungsnahe Zeitung Star an, entscheidend sei nun, ob sich Israel künftig an internationales Recht halte. "Andernfalls werden die Spannungen dank der Entschuldigung abgebaut sein, doch die Beziehungen werden distanziert bleiben."

Das türkische Außenministerium hatte in der Vergangenheit immer wieder diskret Gespräche mit hohen israelischen Diplomaten in Genf oder Brüssel geführt. Die Beilegung des Streits scheiterte aber stets an der Weigerung der israelischen Seite, Ankaras Forderung nach einer Entschuldigung nachzukommen. Offen bleibt, ob Erdogan nun seine antiisraelischen Äußerungen einstellt. Der türkische Premier hatte zuletzt bei einer Rede in Wien Empörung mit seiner Gleichsetzung von Faschismus und Zionismus ausgelöst. Erdogan kündigte für April einen Besuch in Gaza an. (Markus Bernath, Ben Segenreich, DER STANDARD, 25.3.2013)

  • Die Navi Marmara bei ihrer Rückkehr nach Istanbul. Empfangen wurde sie mit palästinensischen und türkischen Flaggen.
    foto: epa/stringer turkey out

    Die Navi Marmara bei ihrer Rückkehr nach Istanbul. Empfangen wurde sie mit palästinensischen und türkischen Flaggen.

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