Fasten und Fleischbeschau

Einserkastl24. März 2013, 18:14
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Die Vermarktung von Faschiertem ist womöglich ein frommer Schachzug der Bauern

Der Beginn der Karwoche ist nicht der schlechteste Moment, um kurz über Faschiertes nachzudenken. Keine Sorge: Es geht nicht um Pferdefleisch-Lasagne oder Gammel-Döner - ist doch alles längst gegessen!

Thema ist vielmehr Faschiertes - mit Gütesiegel, rot-weiß-roter Fahne und den anderen Merkmalen styroporverpackten Qualitätsproteins: Seit Wochen lässt die Bauernschaft über ihre Vermarktungsfirma AMA Berge von rohem Faschierten plakatieren.

Die Hackhauferln sind akkurat abfotografiert und sehen so appetitanregend aus, wie roher Fleischbrei halt ausschauen kann. Das Problem ist vielmehr im Umfeld zu suchen: Zwischen Streugut-Hügeln und den dank der Schneeschmelze freigelegten Hundstrümmerl-Mumien schauen die Fleischberge nicht ganz so anmutig aus, wie der Fotograf sie im Studio-Licht inszeniert haben mag. Speziell, wenn man ihrer um sieben Uhr früh beim U-Bahn-Ausgang gewärtig werden darf.

Warum aber werden wir gerade in der Fastenzeit mit so massiver Fleischbeschau bedacht? Am zaghaften Konsum kann es kaum liegen: Einzig die Amis schieben sich noch mehr Fleisch hinein als wir Österreicher.

Am Ende ist das Ganze gar ein frommer wie selbstloser Schachzug unserer Bauern: Damit auch ehrfurchtsferne Kreaturen auf den rechten Weg des Fastens zurückfinden, sorgen sie in diesen Wochen dafür, dass der Appetit gar nicht erst aufkommt! (Severin Corti, DER STANDARD, 25.3.2013)

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