Syrien Hauptgrund für israelisch-türkische Versöhnung

24. März 2013, 09:16
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Entschuldigung geschah auf eigene Initiative, USA sollen nur beratende Funktion eingenommen haben

Tel Aviv/Ankara/Washington - Die Versöhnung mit der Türkei ist nach israelischen Angaben nicht auf Druck der USA, sondern auf eigene Initiative geschehen. "Wir haben die Amerikaner in der Sache um Hilfe gebeten und uns mit ihnen darüber beraten, wie man es am besten anstellt", sagte Yaakov Amidror, Berater des Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu, am Sonntag gegenüber dem israelischen Rundfunk.

Netanyahu teilte am Samstagabend mit, die Krise in Syrien sei der Hauptgrund für die Versöhnung Israels mit der Türkei. "Syrien zerfällt, und seine riesigen und fortschrittlichen Waffenarsenale beginnen, in die Hände verschiedener Elemente zu fallen."

Telefonische Entschuldigung

In einem Telefongespräch mit dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan hatte sich Netanyahu am Freitag für den Tod von neun Türken bei der Erstürmung des Blockadebrechers "Mavi Marmara" vor drei Jahren entschuldigt.

US-Außenminister John Kerry teilte mit, die Versöhnung Israels mit der Türkei sei sehr wichtig für die Friedensbemühungen in der Region und die Stabilität im Nahen Osten. Der israelische Rundfunk berichtete am Sonntag, israelische und türkische Diplomaten wollten in Kürze über eine Entschädigung der Angehörigen sowie eine Rückkehr der Botschafter beider Länder beraten. 

Lieberman: Entschuldigung "schwerer Fehler"

Der frühere und möglicherweise auch künftige israelische Außenminister Avigdor Lieberman hat die Entschuldigung seines Landes bei der Türkei unterdessen scharf kritisiert. Die Entschuldigung für den Tod von neun Türken auf dem 2010 vor dem Gazastreifen von israelischen Soldaten geenterten türkischen Blockadebrecher "Mavi Marmara" sei ein "schwerer Fehler", zitierte ihn die Zeitung "Yedioth Ahronoth" am Samstag in ihrer Online-Ausgabe.

"Jeder, der die Bilder von der Marmara gesehen hat, versteht ohne jeden Zweifel, dass die israelischen Soldaten in Notwehr gehandelt haben", sagte Lieberman. Die Entschuldigung werde sich nachteilig auf die Motivation aller israelischen Soldaten auswirken. Die Türkei hatte eine Entschuldigung Netanyahus zur Voraussetzung einer Normalisierung der Beziehungen gemacht.

Lieberman war zur Zeit des Zwischenfalls Außenminister und ist heute die Nummer Zwei in Netanyahus rechtem Block Likud-Beitenu. Ende vergangenen Jahres musste er nach einer Anklage wegen Untreue als Außenminister zurücktreten. Netanyahu übt das Amt seither mit aus. Lieberman soll es jedoch Medienberichten zufolge wieder übernehmen, falls er seinen Strafprozess unbeschadet übersteht. (APA, 24.3.2013)

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    US-Präsident Barack Obama und Israels Premier Benjamin Netanyahu bei der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. 

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