Brasilianische Polizei stürmt von Ureinwohnern bewohntes Museum

Ansichtssache23. März 2013, 16:30
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Rio de Janeiro - Die brasilianische Polizei hat am Freitag ein ehemaliges Museum für die Geschichte der Ureinwohner Brasiliens gestürmt, das seit 2006 von Indigenen bewohnt wird. Das Gebäude, das sich in unmittelbarer Nähe zum legendären Maracanã-Fußballstadion in Rio befindet, soll im Zuge der Vorbereitungen auf die Fußball-WM 2014 einem Sportmuseum weichen.

Nachdem sich dutzende Ureinwohner geweigert hatten, das Museum freiwillig zu verlassen, führte die Polizei eine Zwangsräumung durch. Die etwa 200 Beamten einer Spezialeinheit setzten Gummigeschosse, Tränengas und Pfefferspray gegen die verbliebenen Hausbesetzer und protestierende Sympathisanten ein.

Scharfe Kritik an Polizeieinsatz

"Die brutale Polizeiaktion zeigt die Einstellung der staatlichen Behörden gegenüber allen, die dem Sportprojekt im Weg stehen", sagte der Universitätsprofessor für Städtebau an der Fluminense Universität in Rio, Christopher Gaffney, zur "New York Times". In zahlreichen südamerikanischen Medien wurde der Polizeieinsatz kritisiert.

Die Ureinwohner lebten seit 2006 in dem ehemaligen Museum, das im 19. Jahrhundert zur Erforschung der indigenen Kulturen Brasiliens errichtet worden war. Bis vor kurzem hatten sich die Behörden nicht für das zunehmend verfallende Gebäude interessiert. Anfang März hieß es, das gesamte Areal rund um das Maracanã-Stadion solle geräumt und renoviert werden. Geplant ist unter anderem ein olympisches Museum und ein Shoppingcenter für Stadionbesucher. (dare, derStandard.at, 23.3.2013)

foto: epa/marcelo sayao
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