"Game of Thrones" schizophrenes Verhältnis zu Filesharern

23. März 2013, 13:19
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HBOs Serie erfreut sich online großer Nachfrage, ein passendes legales Angebot fehlt jedoch.

Die Fantasy-Serie "Game of Thrones" ist HBOs erfolgreichste TV-Produktion seit Jahren. Gleichzeitig darf sich die Serie des PayTV-Anbieters noch mit einer anderen Auszeichnung schmücken: "Game of Thrones" war 2012 bei Filesharing-Netzwerken die am häufigsten heruntergeladene TV-Serie. Jede Folge der zweiten Staffel wurde weltweit über vier Millionen Mal heruntergeladen. Ein Umstand, der die Schöpfer ehrt und im selben Moment ob der entgangenen Einnahmen zum Nachdenken anregt.

Im Zwiespalt

George R.R. Martin, Autor der Buchvorlage zu "Game of Thrones", zeigt sich ob der vielen Schwarzseher zwiegespalten. "In einer merkürdigen Art und Weise ist Piraterie ein Kompliment", heißt es in einem Interview mit The Verge. Das Problem sei, dass HBO die Serie exklusiv über Kabel-TV ausstrahlt und es auch eine zeitliche Verzögerung zwischen der Erstausstrahlung in den USA und den anderen Märkten gibt. In Australien etwa, muss das Publikum sechs Monate auf die neuen Folgen warten. "Sie verzögern die Ausstrahlung um sechs Monate, aber die Leute wollen nicht warten und laden es sich herunter", so Martin.

D.B. Weiss, einer der Drehbuchautoren von "Game of Thrones" betont, dass die globale Internet-Gemeinde und ihre Kommentare über soziale Netzwerke nicht mehr wegzudenken und ein fester Bestandteil der Serie sind. "Manchmal sehen wir eine Episode und haben nebenbei den Twitter-Feed laufen. Es ist fast so, als wäre man im Kino", so Weiss.

Neue Vertriebswege

Das Problem ist, dass Produzent HBO Einnahmen entgehen, weil es für viele internationale Seher kein adäquates, legales Angebot gibt. "Ich denke wir werden uns einem Punkt nähern müssen, an dem es keine Verzögerungen mehr gibt", so Martin. HBO arbeite bereits an Plänen, um die populären Eigenproduktionen über Online-Dienste streamen zu können. Dies käme allerdings nur in Frage, wenn es sich unter dem Strich rechnet. Mit der Ausstrahlung über das Web läuft der PayTV-Sender nämlich Gefahr, zahlende Kabel-TV-Kunden und auch Käufer der DVD- und Blu-ray-Kollektionen zu verlieren. Die Popularität in Filesharing-Netzwerken zeigt jedenfalls, dass die Nachfrage nach "Game of Thrones" ungebrochen groß ist und traditionelle Vertriebsmodelle besser bald als zu spät überdacht werden müssen. (red, derStandard.at, 23.3.2013)

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