Die Hausse des Hosiner

23. März 2013, 01:55
172 Postings

Ein halbes Dutzend für den ehemaligen Alptraum oder: Was Österreich kann, wenn man es lässt

Heinz Lindner: Größte Herausforderung im dritten Länderspiel: nicht erfrieren. Musste zwei Minuten vor Ende der ersten Halbzeit aber immerhin einen Kopfball des Färingers Baldvinson arretieren, welcher dank eines momentanen Aufmerksamkeitsdefizits der ÖFB-Defensive recht ungehindert in höheren Sphären schweben durfte. Im weiteren Verlauf konnten ihm dann weder ein versprengter Weitschuss noch ein unverhoffter Mondball etwas anhaben.

György Garics: Auf seiner rechten Seite nicht so marschierend wie Kollege Fuchs auf der gegenüberliegenden. Das ist keine Sensation. Trotzdem könnte, insbesonders bei Konstellationen wie der vorliegenden, diesbezüglich schon noch mehr gehen. Vertrat bei Cornern die ausgeflogenen Innenverteidiger bei der Sicherung des einsamen Färingers Edmundson. Wollte in Österreichs giftiger Spätphase nicht hinter Junuzovic und Alaba zurückstehen. Also einfach einmal draufgehauen und dem bis auf diesen Augenblick (und also generell) wackeren Tormann Nielsen aus fast nicht möglicher Ausgangsposition den 6:0-Endstand aufgenötigt (82.).

Aleksandar Dragovic: Ließ  sich wie auch Nebenmann Pogatetz in der embryonalen Phase des Spiels von verwegenem färingischen Pressing bei zwei, drei Gelegenheiten leicht verunsichern. Mangels Gelegenheit nach den raschen Klarstellungen am anderen Spielfeldende wird das in der Folge zum Glück aber nicht mehr vertieft. Die Frage nach der Harmoniefähigkeit der Innenverteidigung dieser Ausprägung in schwereren Zeiten muss vorläufig unbeantwortet bleiben.

Emanuel Pogatetz: Aufgrund von "Nuancen" (Teamchef Koller) Prödl vorgezogen. Assist zum Assist zur frühen Führung mit einem klugen, öffnenden Pass linksheraus auf Fuchs. Kein einziges Mal wirklich in seiner Kernkompetenz gefordert, tat er in der Folge das Notwendige. Spieleröffnung auf die eher konservative Weise, etwas mehr Esprit würde an dieser Stelle dem Team an anderen Tagen durchaus gut zu Gesicht stehen. Doch woher nehmen und nicht stehlen?

Christian Fuchs: Führungsvorbereiter, der sich gleich einmal ideal in den Raum stahl und in der Folge Hosiner mittig wahrnahm wie auch fand. Ließ bei einem Galeriehaken samt Hochrisikopass am eigenen Strafraum einmal den Gambler heraushängen. Konnte mangels defensiver Lasten und dank des Angebots an weitschweifendem Freiraum seine angriffige Schokoladenseite immer wieder so richtig zeigen.

Veli Kavlak: Nominell für den etwas defensiveren Balleroberungspart im Mittelfeld zuständig, fand er in der sehr fluiden ÖFB-Formation des Öfteren genügend Muße, auch auf kreative Aktivitäten umzuschwenken. Manchmal gaukelte diese Interpretation seiner Rolle beinahe das Bild eines austriakischen Pirlo vor, als Regista den Lenker aus der Etappe gebend (sogar das Gesichtshaar passte). Nicht völlig fit gestartet, nach der Pause ausgetauscht.

David Alaba: Viel unverstellte Sicht und leere Korridore, in die hineinzustoßen eine wahre Freude gewesen sein muss, forderten zu freischaffender Tätigkeit geradezu heraus. Nützte dieses nicht selbstverständliche Entgegenkommen der Gegnerschaft weidlich aus, ein früher Durchbruch von fast ganz hinten bis fast ganz nach vorne samt finalem Zuspiel auf Arnautovic gab die weitere Tonart vor. Schrieb Uneigennutz ganz groß, was immer wieder im Bemühen sichtbar wurde, den Kollegen als Servierkraft zu dienen. Sprühte erneut derart vor Tatendrang, dass er ab und zu sowohl sich selbst wie auch die Aufnahmefähigkei seiner Partner ein bisschen zu überfordern schien. Typisch: Initiierte sein eigenes 5:0 (78.) mit einem Abspiel auf den daraufhin flankenden Hosiner selbst - ein mehr als gerechtes Ernten des eigenfüßig Gesähten. Testete zudem aus kurzer Distanz die Materialqualität der Latte (52.).

Andreas Ivanschitz: An vielerlei Orten aufzufinden, sein Platz auf der linken Mittelfeldseite war ein rein systemisch zu verstehender. Knöpfte pressend Benjaminsen den zuerst hergeschenkten Ball postwendend wieder ab und assistierte sich insofern also vorbildlich selbst. Denn es folgten ein Ausgucken des Tormanns Nielsen sowie ein wunderbar angesetzter Aufsetzer, der diesen ins Leere paradieren und das Spielgerät exakt neben der linken Stange zum 3:0 eincurlen ließ (28). Entschloss sich im Verlauf des Geschehens noch mehrfach zu Schießereien aus größerer Entfernung, welche auch durchaus nicht unansehnlich ausfielen. Auch er leicht angeschlagen und nach der Pause frühzeitig abgezogen.

Zlatko Junuzovic: Sorgte mit einem wunderbaren Durchstecker zu Handen Hosiners bei erstbester Gelegenheit für heiße Herzen im Kühlschrank Happel (1.). Gleich zweimal in der ersten Halbzeit mit dem Bemühen, zum Kopfballungeheuer zu mutieren, einmal klappte das sogar ziemlich gut. Rettete dann dankenswerterweise alle Beteiligten durch seinen mit beinahe unüberbietbarer Präzision kurzentschlossen angebrachten Treffer zum 4:0 aus etwa 18 Metern vor der drohenden Kältestarre (77.). Rückblickend die Initialzündung zur Verdoppelung der ÖFB-Ausbeute und einer deutlichen Besserstellung in tordifferenzlicher Hinsicht, was ja auch noch etwas wert werden kann.

Marko Arnautovic: Rochierte nach einem Auftakt rechterhand fleißig mit allen möglichen Kollegen. Wie häufig ein Auf und Ab: Gelungenen Antritten folgten blinde Passes zu niemandem. Eine außenristige Hereingabe auf Junuzovics Haupt, die feine Freitrickselung Alabas vor dessen Lattenknaller und eine künstlerisch wertvolle Flanke mit einem um das Standbein gezogenen Spielbein (Markenzeichen!) wurden von Schusseligkeiten und missglückten Abschlussversuchen konterkariert. Am Ende wieder eine Bilanz, der es an Nachhaltigkeit mangelte.

Philipp Hosiner: In den ersten sechs Spielminuten gleich die ersten zwei Chancen der Teamkarriere vergeben - das hätte auch anders ausgehen können. Doch der Mann der ersten Halbzeit hatte ja noch mehr im Köcher. Eine Fuchs-Hereingabe, obwohl leicht in den Rücken platziert, wurde locker böhmisch ins lange Eck zur Führung geschoben (8.). Aller guten Dinge waren wieder einmal drei. Spätestens nach 20 Minuten klappte das Goalgetting dann schon wie in Violett: Eine völlig missglückte Kopfballrückgabe des unglücklichen Faerö wurde zur Außenumkurvung des Keepers und dem folgenden 2:0 benutzt. Das sah jetzt schon sehr kaltblütig aus. Seine Beweglichkeit lag den - vor allem zu Beginn - überraschend hoch stehenden Insulanern, welche möglicherweise von einem langen Blonden ausgegangen waren, eher schwer im Magen. Nach der Pause tendenziell untertauchend. Rätselhafte Gelbe Karte nach einem völlig glaubwürdigen Hinstolpern im Strafraum im Laufduell mit Baldvinson.

Christoph Leitgeb (ab 56. für Kavlak): Begann mit einem nicht ganz unproblematischen Fehlpass, der den Färingern gar so so etwas wie eine Umschaltchance eröffnete. War danach erst einmal auf mehr Sicherheit bedacht, verteilte dann aus zentraler Position aber recht elegant. Die nicht unbedingt zugespitzte physische Präsenz des Gegners dürfte ihm dabei durchaus zupassgekommen sein.

Andreas Weimann (ab 62. für Ivanschitz): Machte mit einem Drehschuss und einem weiteren Versuch aus größerer Entfernung gleich im Doppelpack auf sich aufmerksam (68.). Sehr umsichtig, als er an der Torauslinie stehend eine weite Flanke Hosiners zum einschussbereiten (und auch einschießenden) Alaba zurückköpfelte (78.).

Markus Suttner (ab 71. für Fuchs): Komplettierte mit seiner Hereinnahme ein Quartett an nationalen Bundesligisten auf dem Feld, was vermutlich einen Höchststand in der bisherigen Regentschaft des Teamchefs Koller bedeutete. Profilierte sich als Synchronouteinwerfer mit Pogatetz und führte so die Partie einem unterhaltsamen Ausklang zu. (Michael Robausch, derStandard.at, 23.3.2013)

Share if you care.