Korruption im Gefängnis: Verteidiger weist Vorwürfe zurück

22. März 2013, 21:34
7 Postings

"Kenne die Person nicht"

Am Donnerstag lehnte der prominente Wiener Strafverteidiger Werner Tomanek eine offizielle Stellungnahme noch ab - nun bestätigt er, dass er es sei, der unter Verdacht steht, Justizwachebeamten in Wien bestochen zu haben, um Handys und Drogen in Zellen zu schmuggeln - einen Vorwurf, den er als völlig absurd zurückweist.

Nun verlangt Tomanek die sofortige Einstellung des Verfahrens und dienstrechtliche Konsequenzen bei der Staatsanwaltschaft Wien. Denn obwohl es die Anzeige einer Justizwachebeamtin seit Oktober 2012 gebe, habe die Anklagebehörde bisher keine Ermittlungsschritte gesetzt. Die Beamtin, die im Frauentrakt der Justizanstalt Wien-Josefstadt tätig war, hatte behauptet, männliche Kollegen hätten den Schmuggel von Drogen und Handys ins Gefängnis zugelassen, wobei sie sich mit sexuellen Kontakten zu den belieferten Insassinnen beziehungsweise Geldkuverts aus der Kanzlei Tomanek "schmieren" hätten lassen.

"Kenne die Personen nicht"

"Ich habe keine Erklärung und kenne keine der handelnden Personen", beteuert Tomanek gegenüber dem Standard. "Weder die Anzeigerin noch die Häftlinge." Er hält aber eine "psychische Ausnahmesituation" bei der Beamtin nicht für ausgeschlossen. Deren Schilderung, sie habe verdeckt in seiner Kanzlei angerufen und die Sekretärin habe namentlich beschriftete Schmiergeldkuverts durchgesehen, hält er für "völlig abstrus" - wer bestechen wolle, mache das persönlich.

In diesem Zusammenhang ist Tomanek auch über die Staatsanwaltschaft verbittert. "Wenn jemand mit so einer Anschuldigung kommt, muss ich doch als Erstes beim Mobilfunkbetreiber erheben, ob es überhaupt einen Anruf gegeben hat", meint er. "Falls ja, wüsste jeder Dorfpolizist, was er machen müsste, um den Verdacht zu erhärten: Telefonüberwachungen, Observationen, Scheinkäufe. Nichts davon ist seit fünf Monaten passiert." Auch die angeblich bestochenen Beamten seien bisher nicht befragt worden. (moe, DER STANDARD, 23./24.3.2013)

Share if you care.