Poetische Verführung des Neuen

22. März 2013, 19:09
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Neuaussteller avancieren bei der bis 1. April laufenden Art & Antique in Salzburg zum veritablen Zugewinn

Es ist ein Thema, das Marino Marini seit den 1930er-Jahren endlos variierte: Pferd bzw. Pferd und Reiter. Dabei, so sinnierte der 1901 in Pistoia Geborene zu Lebzeiten, war die Wahl ursprünglich dem Zufall geschuldet. Sein Atelier in Monza lag neben einem großen Pferdestall und die Auseinandersetzung mit diesem Motiv damit auf der Hand.

Es sind einprägsam modellierte Bildnisse, die im Laufe der Jahre ihre anatomische Exaktheit verlieren, um an Expressivität zu gewinnen. Nur 14 cm misst jenes Piccolo Cavallo in der Höhe, eines aus einer limitierten Herde von zehn, das Marini 1973 in Silber ausführte: Mit gerecktem Kopf und leicht geblähten Nüstern harrt es bei der Galerie Française (München) eines menschlichen Gefährten, gern auch eines Pferdenarren, der die Feinheiten der Körpersprache zu interpretieren befähigt ist.

Für 68.000 Euro dürfte der neue Eigner das kleine Ross von der Koppel in den Prunkräumen der Residenz Salzburg führen, wo sich heuer insgesamt 38 Aussteller einquartierten. Anlass ist die traditionell zu den Osterfestspielen anberaumte Art & Antique Residenz Salzburg (bis 1. 4.), die von jeher mehr internationale Besucher verzeichnet als das vom gleichen Veranstalter ausgerichtete Herbstformat in der Hofburg.

Im Zuge der aktuellen Auflage gilt es einige Neuzugänge zu vermelden, die sich etwa aus der Absage jener Tefaf-Kunsthändler ergab, die derzeit noch in Maastricht ihre Klientel bedienen. Zu den Salzburg-Debütanten gehören etwa Florian und Nikolaus Kolhammer (Wien) mit einem vielseitigen Repertoire an angewandter Kunst, darunter exklusive Einzelanfertigungen nach Entwürfen von Josef Hoffmann oder prachtvolle Lötz-Kreationen

Als veritabler Zugewinn muss man die aus Rauminhalt (Wien) und Madero CollectorsRoom (Salzburg) bestehende Design-Kooperative bezeichnen. Die stilistische Vielfalt internationale Klassiker der Moderne, etwa eines Josef Frank (Cabinet "Flora", 1940er; 45.000 Euro), Serge Mouille (Lampen) oder auch Pablo Picasso (Keramiken ab 8900 Euro) komponierte man hier zu einem Interieur, das zu einem En-bloc-Ankauf verleiten könnte.

Mitsamt einer Entourage an Qualitätsvollem der Kategorie Arbeiten auf Papier schlug heuer auch Jörg Schumacher (Frankfurt) erstmals an der Salzach sein temporäres Quartier auf. Die Bandbreite reicht hier von den derzeit stark nachgefragten seriellen Arbeiten Tom Wesselmans (ab 40.000 Euro) bis zu veritablen Marc-Chagall-Verführungen für Einsteiger, konkret um 1970/75 entstandenen Skizzen zu La Reine de Saba. Schon ab 6000 Euro (bis 20.000) schweben hier geflügelte Wesen durch die Lüfte, vorbei an Blumen oder Häusern, um in den Bildern zu poetischen Erzählungen tiefster Emotion und Ästhetik zu verschmelzen. (kron, Album, DER STANDARD, 23./24.3.2013)

  • Marino Marinis silbernes "Piccolo Cavallo" (1973) wartet in Salzburg auf einen neuen Eigner.
    foto: galerie française

    Marino Marinis silbernes "Piccolo Cavallo" (1973) wartet in Salzburg auf einen neuen Eigner.

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