Architektur und Drama im neuen roten Wien

Kommentar der anderen22. März 2013, 20:43
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Hintergründiges zum Thema Museumspolitik am Beispiel des Architekturzentrums Wien

(Aus einer Würdigungsrede der Alt-Kulturstadträtin zum 20-jährigen Bestand des AzW, Donnerstagabend im Museumsquartier - unter besonderer Berücksichtigung der "Risiko-Intelligenz" ihrer gegenwärtigen Amtsnacholger/innen im Rathaus und am Minoritenplatz.)

Was hier passiert, geschieht vor einem (finanziellen) Hintergrund, der - um Hermann Czech zu persiflieren - leider nicht "Architektur" heißt, sondern Drama. Bekanntlich stammt ja der berühmte Satz: "Architektur ist Hintergrund, und alles, was nicht Hintergrund ist, ist nicht Architektur" von Hermann Czech.

Mein Wortspiel vom "Drama" als finanzieller Hintergrund dieses Hauses entstammt leider keinem Zitatenschatz: Es ist böse Realität, die aus der rigiden Subventionspraxis der beiden Subventionsgeber, Stadt Wien und Bund, resultiert: Seit 1995 hat der Bund seine Subventionen für das AzW nämlich eingefroren, also sprich um genau null Schilling und später um genau null Euro jährlich erhöht. Die Stadt Wien wiederum hat ihre finanziellen Zuwendungen an das AzW seit 2003 periodisch gekürzt.

Beide Dramen wurden durch die Heranziehung von Drittmitteln seitens engagierter Unternehmer und Verbände zwar gemildert, konnten aber keineswegs gänzlich entschärft werden. Unterm Strich heißt das: Keine wie immer geartete Vergütung der Inflation vonseiten des Bundes seit 1995 und vonseiten der Stadt Wien seit dem Jahr 2000 ergeben zusammen einen realen Kaufkrafverlust von mehr als 650.000 Euro. Ich könnte es mir jetzt leicht machen und sagen: nur ein Prozent des Budgets der Wiener Staatsoper! Und das AzW wäre hoch-weiß! Aber so leicht will ich's mir nicht machen: Denn das Aus- einander-Dividieren von einer Kultur-Institution gegen eine andere sollten wir den sattsam bekannten Krawall-Medien samt den ihnen zuhörenden und oder hörigen Politik-" Strategen" überlassen.

Ich mach's mir schwerer und zitiere den Standard vom 18. März 2013. Da lese ich, dass das Ministerium für Bildung und Kunst im vierten Quartal des Jahres 2012 755.000 Euro für - Eigenwerbung ausgegeben hat. Und das Wissenschaftsministerium im gleichen Zeitraum 130.000 Euro. Gleichfalls für "Eigenwerbung".

Okay? No comment!

Nur eines noch zu diesem Thema: Wir haben in Wien - auch fast 90 Jahre nach dem "Roten Wien" - noch immer sozial leistbare Wohnungen, und beim Thema geförderte Wohnungen ist Wien nach wie vor unter den besten der Welt.

Also, liebe Stadt Wien: Hier braucht es keine Volksabstimmung, keine olympischen Gröfaz- Eskapaden. Hier muss man nicht einmal das Buch von Dylan Evans gelesen haben, das ich ansonsten sehr empfehle: Es heißt: RQ - Risikointelligenz. In diesem Buch zeigt der britische Psychologe Dylan Evans an zahlreichen Beispielen aus dem Alltag, wie man in schwierigen Situationen die richtige Entscheidung trifft, ohne sich von Risiken einschüchtern zu lassen oder aber auch sie zu verdrängen. Aber: Liebe Stadt Wien, freu dich, denn du brauchst in dem Fall keine Risiko-Intelligenz - denn die Sache AzW ist gelaufen! Ein Erfolg! Ein Riesenerfolg ...! (Ursula Pasterk, DER STANDARD,  23./24.3.2013)

Ursula Pasterk, Jg. 1944, war von 1987 bis 1996 Wiener Kulturstadträtin (SPÖ).

  • AzW-"Mutter" Pasterk: keine Eloge auf die Kulturpolitik der SPÖ.
    foto: toppress

    AzW-"Mutter" Pasterk: keine Eloge auf die Kulturpolitik der SPÖ.

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