Pläne für Drogentests: Haare lassen

Kommentar22. März 2013, 18:45
36 Postings

Mikl-Leitners Anti-Drogen-Strategie hat mit Suchtprävention nichts zu tun

So viel "Law and Order", wie der Innenministerin vor wenigen Wochen noch vorschwebte, spielt es dann doch nicht. Zur Erinnerung: Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) verkündete im Februar (vor den Wahlen in Niederösterreich und Kärnten), mithilfe von Haartests "den Verlauf von Drogenkarrieren" beobachten zu wollen - zum Schutz der "Kinder und Jugendlichen". Und ihr schwebte vor, des Drogenkonsums Verdächtige bei Verkehrs- und bei Personenkontrollen um ein paar Haare zu erleichtern.

Der Koalitionspartner SPÖ fand das "ungeheuerlich". Suchtexperten ließen kein gutes Haar an der Anti-Drogen-Strategie - die keine ist. Jetzt will Mikl-Leitner "nur" mehr durch Drogen- oder Alkoholkonsum aufgefallene Fahrzeuglenker testen, denen dabei auch die Wahl zwischen Urin- und Haartest bleiben soll. Trotzdem ist allerhöchste Vorsicht geboten: Betroffene müssen ganz klar darüber informiert werden, dass sie die Wahl haben - zwischen dem Abgeben eines Haares, das Jahre ihres Konsumverhaltens speichern kann, und einer Urinprobe, die über zwei Tage Auskunft gibt. Es muss klar geregelt werden, was mit den vielen hochsensiblen Daten, die ja auch den Konsum ganz legaler Substanzen betreffen können, passiert.

Beim Abarbeiten dieser heiklen Fragen sollte Mikl-Leitner auch etwas ganz Grundsätzliches noch einmal überdenken: wozu das Ganze dient. Mit Suchtprävention hat es jedenfalls nichts zu tun. (Gudrun Springer, DER STANDARD, 23./24.3.2013)

Share if you care.