"Ach, Seriendarsteller! Ach, Vorabend!"

Interview22. März 2013, 17:38
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Die älteste Krimiserie der Welt feiert Montag ihren 35. Geburtstag. TV-Kommissar Gerd Silberbauer erinnert sich an die Anfänge von "Soko 5113"

STANDARD: 35 Jahre "Soko 5113". Wann hatten Sie Erstkontakt?

Silberbauer: 1979 war ich Statist. Ich spielte einen Pokerspieler in einem illegalen Spielclub, damals noch mit Dieter Krebs. Anfang der 1990er war ich zweimal auf der anderen Seite. 2006 war ich Verdächtiger, ein dubioser Typ, dessen Ehefrau ermordet wurde.

STANDARD: Spielen Sie lieber Mörder oder Ermittler?

Silberbauer: Als ich zur Serie kam dachte ich: Um Gottes Willen, das wird Beamtendasein, aber wir gaben Arthur Bauer, den ich mitentwickelt habe, Ecken und Kanten, und im Laufe der Jahre ist eine gewisse positive Routine eingekehrt.

STANDARD:  Kennzeichen von Soko 5113" sind prominente Gäste. Wie kommt's dazu?

Silberbauer: Wir haben Gastschauspieler in einer Liga, wie man sie sonst nie im Vorabend zu sehen bekommt, und wir haben einen sehr guten Ruf bezüglich unseres Sets, weil wir als die freundlichsten „Nicht-Schauspieler" gelten. Wir sind lieb und nett, wie die Münchner manchmal so sind.

STANDARD: Sind Schauspieler generell unnett?

Silberbauer: Schauspieler kennzeichnet eine Egozentrik und Eitelkeit, die er bis zu einem gewissen Grad haben muss. Was aber im Lauf der letzten zehn, 20 Jahren doch sehr abgenommen hat, sind Zickigkeiten. Die Primaballerinas – ob männlich oder weiblich, die Stunden zu spät kamen, gibt es kaum noch.

STANDARD: Es gilt, je größer die Kunst, desto umgänglicher?

Silberbauer: Das kann ich hundertfach unterschreiben. Ich ging durch eine harte Theaterschule. Die richtig Großen sind ganz still und machen gar kein großes Aufhebens um sich.

STANDARD: Die Zicken gibt's noch?

Silberbauer: Die gibt's, aber bei uns werden sie klein gehalten.

STANDARD: Sie spielen ja auch viel Theater, machen Tourneen, im Tourbus kanns eng werden?

Silberbauer: Gerade auf Tournee ist soziale Kompetenz unglaublich wichtig. Wenn da ein fauler Apfel dabei ist, hast du ein Problem. weil du mit den Leuten von morgens bis abends zusammen bist. Ich dachte lange, aufgrund meiner Integrität könnte ich die schwierigen Menschen ausschalten. Aber das geht nicht. Deshalb habe ich in all meinen Verträgen ein Mitspracherecht, was die Kollegen betrifft. Ich bin nicht fast 60 geworden, um mich mit Befindlichkeiten herumzuschlagen. Früher habe ich geschluckt, dann geschrieen, heute mach' ich beides nicht mehr. Ich nehme lieber den weniger brillanten, aber sozial umgänglichen Schauspieler.

STANDARD: In der Jubiläumsfolge kommt Michael Ande zu Ehren. Wollte er einmal weg vom „Alten"?

Silberbauer: Man hat gespürt, er hat irre gefiebert, dass er nach eine Rolle bekommt, in der er etwas anderes machen darf.

STANDARD: Soko 5113 ist die älteste Krimiserie der Welt. Woher kommt der Erfolg?

Silberbauer: Ich weiß es nicht, ganz ehrlich. Die ganze Soko-Schiene ist erfolgreich, obwohl sie aus völlig unterschiedlichen Krimis besteht.

STANDARD: Das ZDF schickt Kommissare reihenweise in Pension. War die „Soko" jemals in Gefahr?

Silberbauer: Das weiß ich nicht und werde den Teufel tun, dazu etwas zu sagen. Ich habe Einjahresverträge und kann nicht sicher sein, dass nicht auch bei mir einmal der Jugendwahn ausbricht, und es heißt, wir brauchen jetzt einen Jugendlichen mit Sixpack. Wir sind die mit Abstand bestgebuchte Sendung des ZDF. Ich habe natürlich schon versucht zu intrigieren, um in den Hauptabend zu wechseln. Sie lachten mich natürlich aus.

STANDARD: Stimmt es, dass Schauspieler deshalb in Serien wie "Klinik unter Palmen" oder "Traumschiff" einsteigen, weil sie auch gerne mal verreisen möchten?

Silberbauer: Absolut richtig. In Deutschland gibt es das Feuilleton, das immer sagt: "Ach, Seriendarsteller, ach Vorabend, ach Pilcher!" Ich bin ziemlich gelassen geworden, aber wenn das kommt, gehe ich in den roten Bereich. Alles hat seine Zeit, und alles hat seine Wirkung. Und eines muss ich Ihnen sagen: Wenn ich jetzt als freier Schauspieler ein Angebot bekäme für einen Pilcher in Schottland, England oder Irland, dann sage ich zu, ohne das Drehbuch zu lesen. Klinik unter Palmen hat Spaß gemacht ohne Ende. Wir waren fünf Wochen in der Dominikanischen Republik und eine Woche war ich in Kuba. Das ist doch großartig! (Doris Priesching, DER STANDARD, 23./24.3.2013)

Gerd Silberbauer (59) spielte schon in Schimanski-"Tatorten" , trat in so gut wie allen Mainstream-Serien auf, von "Kommissar Rex", "Der Landarzt", "Der Bergdoktor" bis "Klinik unter Palmen".

  • Gerd Silberbauer, Kommissar der ältesten Krimiserie, befragt den Mordverdächtigen Michael Ande.
    foto: zdf/robert späth

    Gerd Silberbauer, Kommissar der ältesten Krimiserie, befragt den Mordverdächtigen Michael Ande.

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