Ökonomen fordern eine Prothesen-Hitliste

22. März 2013, 17:38
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Welches Material am besten sei, müsse von Fall zu Fall entschieden werden

Linz/Wien - In der Debatte um eine mögliche Quote bei Hüftimplantaten aus Keramik in oberösterreichischen Landeskrankenhäusern lassen jetzt Gesundheitsökonomen mit einer ganz anderen Forderung aufhorchen: "Wegen der umfangreichen Produktpalette brauchen wir ein bundesweites Prothesenregister", erklärt Martin Sprenger, Leiter des Uni-Lehrgangs Public Health an der Uni Graz. "Unbedingt", ergänzt Claudia Wild, Leiterin des Ludwig Boltzmann Institute for Health Technology Assessment in Wien.

Wie berichtet, sorgte die Ankündigung des oberösterreichischen Spitalsträgers Gespag, bei Hüftimplantaten künftig nur rund fünf Prozent der Hightech-Keramikprothesen einzusetzen, für gehörige Aufregung. Der Vorwurf der Zwei-Klassen-Medizin wurde laut. "Ein völliger Irrglaube", meint Wild. Denn ein teures Produkt sei nicht automatisch das beste. Darin ist sie sich mit Sprenger einig. Welches Material - ob reine Keramik, Keramik und Polyethylen oder Polyethylen und Metall -, müsse von Fall zu Fall entschieden werden.

Nicht nur Material wichtig

Die Qualität eines Implantates hänge nicht allein vom Material ab, sondern auch vom Hersteller. Ein Prothesenregister könnte Klarheit bringen. Welches Produkt aus welchem Material zu welcher Patientengruppe am besten passt, gehe aus solch einer Liste hervor. Schweden besitze laut Wild ein derartiges Register seit Jahren. Standen anfangs 87 Produkte in der Liste, wurde diese aufgrund von Revisionsraten deutlich gekürzt. Einen Schritt in dies Richtung wurde in Österreich bereits gesetzt. So richteten alle neun Krankenanstaltenträger Implantate-Kommissionen ein, die den zentralen Einkauf von Prothesen abwickeln. Die Orthopäden der einzelnen Häuser melden, welche Implantate sie verwendet haben, woraufhin die Kommission dann eine Auswahl treffe, erklärt Wild. Hintergedanke sei, die Verflechtung zwischen Arzt und Pharmaindustrie zu lockern. (Kerstin Scheller, DER STANDARD, 22./23.3.2013)

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