Wann der Mensch Afrika verließ

22. März 2013, 18:08
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"Eines der wichtigsten Ereignisse in der Menschheitsevolution": Ein neuer DNA-Vergleich bringt eine erstaunliche Neudatierung mit sich

Leipzig/Wien - "Der Exodus des modernen Menschen aus Afrika ist eines der wichtigsten Ereignisse in der Menschheitsevolution", sagt Johannes Krause. "Deshalb sollten wir wissen, wann das passiert ist." Tatsächlich gibt es nach wie vor nur grobe Schätzungen, und in den letzten Jahren tat sich diesbezüglich sogar eine Kluft auf.

Auf der einen Seite deuten archäologische Funde darauf hin, dass der moderne Mensch Afrika erst relativ spät verließ, um seinen Siegeszug in Europa und Asien anzutreten. Auf der anderen Seite kamen genetische Berechnungen zum Schluss, dass der Auszug aus Afrika vor mindestens 90. 000, maximal 130.000 Jahren passierte.

Grundlagen für diese Zahlen lieferte die sogenannte molekulare Uhr, die wiederum darauf basiert, dass man die Mutationen der DNA im Laufe einer Generation errechnet. Damit lässt sich dann rekonstruieren, wann der letzte gemeinsame Vorfahr von Mensch und Schimpanse gelebt hat - oder eben: wann sich der Exodus aus Afrika zugetragen hat.

Der Genetiker Johannes Krause vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie hat nun die molekulare Uhr der Menschheitsentwicklung neu kalibriert: Er analysierte mit seinem Team die relativ schnelleren Veränderungen der mitochondrialen DNA von mehreren gut datierten prähistorischen Menschen wie vom 4.550 Jahre alten Ötzi, von 14.000 Jahre alten Skeletten aus Oberkassel oder 31.000 Jahre alten Menschen aus Tschechien.

Das im Fachblatt "Current Biology" publizierte Resultat: Die Mutationen deuten darauf hin, dass der Exodus vor 62.000, längstens vor 95.000 Jahren geschah, was sich auch besser mit den archäologischen Funden deckt. (tasch/DER STANDARD, 23./24. 3. 2013)

  • Der Auszug des modernen Menschen dürfte später passiert sein als angenommen: DNA-Proben unter anderem von diesen 31.000 Jahre alten Menschen aus Tschechien trugen dazu bei, die genetische Uhr der Menschheitsentwicklung neu zu stellen. Im Einschub links unten zwei ebenfalls untersuchte 14.000 Jahre alte Skelette aus Deutschland.
    foto: s. svoboda; (inset) j. vogel/lvr-landes museum, bonn

    Der Auszug des modernen Menschen dürfte später passiert sein als angenommen: DNA-Proben unter anderem von diesen 31.000 Jahre alten Menschen aus Tschechien trugen dazu bei, die genetische Uhr der Menschheitsentwicklung neu zu stellen. Im Einschub links unten zwei ebenfalls untersuchte 14.000 Jahre alte Skelette aus Deutschland.

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