Neues Museum zur jüdischen Geschichte nicht allein auf Holocaust fokussiert

23. März 2013, 17:08
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Offizielle Eröffnung in Warschau am 19. April

Warschau - Das neue "Museum der Geschichte der polnischen Juden" in Warschau wird am 19. April, dem 70. Jahrestag des Beginns des Ghetto-Aufstands, eröffnet. Das vom finnischen Architekten Rainer Mahlamäki (geb. 1956) geplante Museum im ehemaligen jüdischen Viertel Warschaus soll kein Holocaust-Museum sein, sondern die über tausendjährige Geschichte jüdischen Lebens in Polen erzählen. Die erste Ausstellung wird im Dezember eröffnen.

Das Museum, an dem seit 2007 gebaut wird, liegt unmittelbar hinter dem Denkmal der Helden des Warschauer Ghettos, das durch den Kniefall Willy Brandts große Bekanntheit erlangte. Der Bau ist ein großer, mit Glas verkleideter Kubus, durch den sich ein großer Riss zieht - als schmerzhafter Einschnitt in die Geschichte ebenso interpretierbar wie als Symbol für die Durchquerung des Roten Meeres.

Die Ausstattung

Als erstes Ausstellungselement wurde kürzlich die Nachbildung der einzigartigen Holzdecke der Synagoge von Gwozdziec (heute in der Ukraine gelegen) aus dem 18. Jahrhundert vorgestellt, deren Original von den Nazis zerstört worden war. Die detailgenau und mit historischen Techniken rekonstruierten vielfarbigen Malereien mit zahlreichen Tier- und Blumen-Motiven "repräsentieren den Höhepunkt der Kreativität der Juden in Polen", erklärte Ausstellungsleiterin Barbara Kirshenblatt-Gimblett.

Das neue Museum soll rund 12.800 Quadratmeter Nutzfläche (davon 4.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche) sowie einen Multimedia-Saal für 450 Personen, ein Bildungs-Zentrum, Räume für Kinder sowie ein Café und ein Restaurant beinhalten. In acht Sälen soll die Geschichte der Juden in Polen dargestellt werden. 1939 lebten rund 3,3 Millionen Juden in Polen, 400.000 davon in Warschau. Sie stellten ein Zehntel der polnischen Bevölkerung. 90 Prozent der Juden in Polen wurden während des Holocaust von den Nationalsozialisten ermordet.

Das Museumsprojekt wurde von privaten Geldgebern und deutschen Stiftungen ebenso finanziert wie vom polnischen Staat, der Stadt Warschau und der Europäischen Union. Die Gesamtkosten werden auf rund 100 Millionen Euro geschätzt. Man rechnet mit 500.000 Besuchern jährlich. (APA/red, derStandard.at, 23. 3. 2013)

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