Projekt der Innenministerin: Mehr haarige Drogentests in Österreich

22. März 2013, 18:32
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Nach einem Pilotprojekt in Wien will die Polizei auch in Linz, Wels und Steyr Haartests auf Drogen durchführen. Die Tests sollen bei Fragen bezüglich der Lenkberechtigung eingesetzt werden und nur unter bestimmten Voraussetzungen. Kritik gibt es trotzdem.

Wien - Wer ganzkörperrasiert ist, wird nicht vor der Wahl stehen. "Wo kein Material ist, kann auch nicht getestet werden", erläuterte Drogenanalytiker Hans Sachs am Freitag vor der Presse, als Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) vorstellte, was sie in Sachen Urin- und Haartests zu Drogen in Österreich vorhat.

Kein Zwang

Zum Haartest, der in anderen Ländern wie etwa Deutschland bereits angewendet wird, kann in Österreich niemand gezwungen werden. Weder in Wien, wo seit 2011 ein Pilotprojekt läuft, noch in Linz, wo dieser Tage eines starten soll. In ein paar Wochen sollen Steyr und Wels folgen. Die Haartests sollen vorerst nur bei Personen zum Einsatz kommen, denen der Führerschein wegen Alkohols oder Drogen am Steuer auf bestimmte Zeit entzogen wurde. Oder auch bei Führerscheinanwärtern, bei denen nach ärztlicher Untersuchung ein Drogentest stattfand, der positiv ausfiel. Betroffene müssen zwischen Urin- und Haartest wählen können.

Dunkle Haare speichern besser

Im Harn lassen sich Substanzen bis zu 48 Stunden nachweisen. Urintests finden mindestens alle sechs Wochen statt. Eine Haaranalyse wäre alle sechs Monate ausreichend (je nach Haarlänge) und kostet laut Polizei 279 Euro, ein Urintest circa 90 Euro. Die Kosten muss der Proband zahlen. Die Vorteile der Haartests sind aus Mikl-Leitners Sicht, dass die Urinabgabe unter Aufsicht nicht mehr notwendig ist und der Test mehr als eine Momentaufnahme zeigt. Ein Haar wird laut Sachs in der Regel auf rund 200 Substanzen, darunter Medikamente, Alkohol und eben Drogen, geprüft. Die Testergebnisse wandern in den Führerscheinakt. Die Konzentration der Substanzen in einem Haar hängt aber stark vom Haar selbst ab: Dunkle speichern besser als helle, gibt Analyst Sachs zu.

"Was mache ich damit?"

Rainer Schmid, Mediziner im Bereich Toxikologie und Medikamentenanalytik am AKH Wien, sieht Haartests kritisch: "Die Frage ist: Was weiß ich am Ende? Was mache ich damit?" Schmid sagt, er könne nicht nachvollziehen, warum nicht bei Akuttests, etwa mit Speichel, mehr geforscht werde.

Bei Haartests wird ein ganz anderer Zeitraum untersucht als bei Urintests. Zwar kann über Jahre zurückliegender Drogenkonsum nachweisbar sein, es fehlen aber aktuelle Infos: "Es dauert zehn Tage bis drei Wochen, bis das Haar an die Oberfläche kommt", sagt Schmid. Und Bleichen vernichte sowieso, was im Haar gespeichert war. Er bezweifelt, dass Tests sich zur Suchtprävention eignen. Von der Wiener Drogenkoordination heißt es ebenso, die Tests hätten damit nichts zu tun.

800 Haartests seit 2011

Seit Beginn des Wiener Pilotprojekts im Jänner 2011 wurden rund 800 Haartests durchgeführt. Etwa die Hälfte davon betraf den Verdacht auf Drogenmissbrauch, die andere Hälfte Alkoholmissbrauch. Bei 129 der 205 auf Drogen getesteten positiven Tests wurden Substitutionspräparate festgestellt, die anderen 76 betrafen illegale Drogen. Darüber hinaus konnte bei 19 Fällen der auf Substitutionsmittel positiven Tests auch der Beikonsum von Suchtgift nachgewiesen werden, bei sieben weiteren wurden auch verbotene Arzneimittel entdeckt. (Gudrun Springer, DER STANDARD, 23./24.3.2013)

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    Das Pilotprojekt zu Drogen-Haartests im Rahmen der führerscheinrechtlichen Überprüfungen läuft seit 2011 in Wien und soll nun auf Oberösterreich ausgeweitet werden.

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