Die Lehren aus dem Zins-Schock 1994

22. März 2013, 11:33
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Fondsmanager und –anleger versuchen sich vor steigenden Zinsen zu schützen, wie Fondsgesellschaften mit dem Risiko umgehen

1994 ging ein Raunen durch die Handelsabteilungen der großen Investmenthäuser. Die US-Notenbank Fed hatte die Zinsen angehoben, sehr zur Überraschung und dem Leidwesen vieler Anleihen-Investoren. Die Zinserhöhung, zum damaligen Zeitpunkt war es die erste in sechs Jahren, führte zu massiver Verunsicherung. Die langfristigen Zinsen schossen nach oben. Hedgefonds-Manager wie Michael Steinhardt gerieten in Schieflage, bei den Banken liefen Milliardenverluste auf und spezialisierte Derivate-Banken verschwanden von der Bildfläche. Von einem "Anleihen-Massaker" war die Rede.

Heute treibt eine ähnliche Sorge Fondsmanager und -anleger um. Das zeigte sich etwa bei der diesjährigen Morningstar Europe Konferenz für institutionelle Anleger in Wien. Nach mehreren Jahren Nullzins-Politik gibt es für die langfristigen Zinsen eigentlich nur noch einen einzigen Weg: nach oben. Aktuell befinden sich die Anleihenmärkte noch im "Goldilocks-Szenario", wie es Christopher Iggo, Chief Investment Officer bei Axa, nennt. Das "Goldlöckchen-Szenario" für Anleihen sieht wie folgt aus: Solange das Wirtschaftswachstum nicht deutlich steigt, werden die Zinsen niedrig bleiben. Daher können Anleger mit langfristigen Staats- und Kreditpapieren weiter Geld verdienen. Gleichzeitig muss aber das Wachstum stabil genug bleiben, damit es nicht zu einer neuerlichen Rezession und damit Unternehmenspleiten kommt. Doch wenn die Wirtschaft diesen schmalen Grat verlässt, drohen Verluste.

Besonders prekär ist die Situation für Tanguy Le Saout, den Anleihen-Chef bei Pioneer Investments, für die Eurozone. Denn viele Staaten ächzen nach wie vor unter einer massiven Schuldenlast: "Der wirkliche Test kommt, wenn Liquidität entzogen wird und die Zinsen steigen", so Le Saout.

Rückenwind könnte drehen

Dann könnte sich nämlich auch der jüngste Rückenwind für die Anleihenmärkte deutlich drehen. Aktuelle Daten von Lipper zum europäischen Fondsmarkt zeigen, dass im Jänner zum siebten Mal in Folge mehr als 20 Milliarden Euro in Anleihenfonds geflossen sind. Doch geht es nach Andrew Balls, dem Europa-Chef des Anleihen-Riesen Pimco, dann sind die Märkte "manipuliert". "Die Zentralbanken haben die Zinsen und die Zinsaufschläge massiv gedrückt, die meisten Märkte sind schlicht teuer oder bestenfalls fair bewertet." Große Chancen für hohe Renditen mit Anleihenportfolios sieht der Experte also nicht.

Doch wie gehen die Fondsgesellschaften mit dem Risiko steigender Zinsen um? Sie versuchen das Risiko zu umschiffen. Ein wichtiger Indikator dafür ist die Duration. Sie gibt an, wie sensitiv ein Portfolio auf Zinsänderungen reagiert. Je mehr Anleihen mit langen Laufzeiten im Depot liegen, desto höher auch die Duration. Ein Anstieg der langfristigen Zinsen übersetzt sich unmittelbar in zum Teil sehr hohe Kapitalverluste. Viele Kapitalgesellschaften haben begonnen die Durationen zurückzufahren und eine Reihe von "Short-Duration"-Produkten anzubieten. Diese haben nur geringe Zinsänderungsrisiken und sollen Anleger im Falle steigender Renditen schützen.

Als neue Produktkategorie bieten zudem eine Reihe von Fondsgesellschaften Produkte an, die das Risiko komplett absichern. Mithilfe von Derivaten werden die Fonds mit einer Duration von Null angeboten. Die Rendite kommt daher nicht aus den Zinsrisiken der Anleihen, sondern etwa aus Kreditrisiken (etwa über Unternehmens- oder Immobilienpapiere) oder Währungsrisiken (etwa aus den Schwellenländern). (Lukas Sustala, derStandard.at, 22.3.2013)

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