Londoner "Gurke" macht Gläubiger nervös

22. März 2013, 11:39
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Hälfte-Eigentümer IVG Immobilien muss Franken-Kredit in Pfund umwandeln, Anleger könnten Schadenersatz geltend machen

Der deutsche Immobilienkonzern IVG Immobilien AG hat mächtigen Ärger mit einem Londoner Wahrzeichen: Die von Norman Foster geplante Büroimmobilie "Gurke" ("The Gherkin") hatte die IVG 2007 (zusammen mit Evans Randall Ltd.) vom Versicherer Swiss Re AG, der auch nach wie vor Ankermieter der "Gurke" ist, für 600 Millionen Pfund erworben. Ende 2012 lag der Gebäudewert laut mehreren von Gläubigerbanken in Auftrag gegebenen Gutachten allerdings nur noch bei 473 bis 510 Millionen Pfund.

Den Ankauf ihres Hälfte-Anteils an dem 180 Meter hohen Büroturm in der Londoner City hatte die IVG nämlich in Schweizer Franken finanziert. Der Franken hat seither zum Pfund aber um 40 Prozent zugelegt. Das trieb die sogenannte Loan-To-Value-Ratio (LTV; das Verhältnis von Schuldenstand zu Gebäudewert) auf annähernd 100 Prozent, wie die IVG selbst im Herbst auf ihrer Webseite erläuterte. Ab einer Schwelle von 67 Prozent können die Banken die Kreditvereinbarung aufkündigen.

Umwandlung in Pfund und Investoren-Suche

Die IVG will nun das Darlehen, das auf der "Gurke" lastet (und mit der Immobilie besichert ist), in Pfund umwandeln. Das Konsortium der Gläubigerbanken sei dafür bereit, das Sonderkündigungsrecht für das Darlehen um neun weitere Monate aufzuschieben, sagte Konzernsprecher Oliver Stumm kürzlich gegenüber der deutschen Tageszeitung "Die Welt". IVG und sein Joint-Venture-Partner würden weiteres Kapital aufbringen, ergänzte der Sprecher. Kent Gardner, Vorsitzender von Evans Randall, schloss allerdings aus, dass sein Unternehmen seine Beteiligung aufstocken werde.

Man prüft nun auch die Ausgabe neuer Anteile am Fonds "Euroselect14", in den die IVG ihre Anteile an der "Gurke" eingebracht hatte. Allerdings würde die Hereinnahme eines neuen "Stakeholders" die Anteile der rund 9.000 Privatinvestoren ordentlich verwässern.

"Totalverlust droht"

Anwaltskanzleien laufen sich deshalb bereits für Schadenersatzklagen warm. Schon mit der Umwandlung des Darlehens sei ein Wechselkursverlust in Höhe von 92 Millionen Pfund realisiert worden, was rund 30 Prozent des ursprünglichen Kaufpreises der IVG und knapp 60 Prozent des von den Anlegern aufgebrachten Kommanditkapitals entspreche, heißt es in einer Stellungnahme auf der Website anwalt.de. "Angesichts dieses massiven Zuwachses der Verschuldung (in GBP) erscheint es als äußerst unwahrscheinlich, dass die Anleger zu irgendeinem Zeitpunkt noch einen Rückfluss erhalten werden", es drohe damit den Anlegern der "wirtschaftliche Totalverlust".

Bis Jahresende gibt man sich jedenfalls bei der IVG Zeit, eine Lösung zu finden. Bis dahin bestehe auch für Anleger Handlungsbedarf, denn es drohe ansonsten für Schadenersatzansprüche die Verjährung, heißt es auf anwalt.de. (red, derStandard.at, 22.3.2013)

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    Eine Gurke macht Probleme: Das von Norman Foster geplante Londoner Wahrzeichen mit 48.000 m² vermietbarer Fläche bringt Hälfte-Eigentümer IVG in die finanzielle Bredouille.

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    Für den Bau des im April 2004 fertiggestellten Gebäudes mit 41 Stockwerken wurden 10.500 Tonnen Stahl verwendet, das österreichische Stahlbauunternehmen Waagner Biró war maßgeblich daran beteiligt.

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