Österreicher ärmer als Italiener und Spanier

22. März 2013, 10:21
131 Postings

Die Vermögen der Privathaushalte sind in Österreich geringer, alle Ansprüche erfasst diese Berechnung aber nicht

Frankfurt am Main - Ein österreichischer Privathaushalt verfügt einer Studie der deutschen Bundesbank zufolge über ein mittleres Vermögen von 76.400 Euro. In den Euro-Krisenländern Spanien oder Italien sei das Haushaltsvermögen wesentlich höher: In Italien liege es bei rund 163.900 Euro, in Spanien bei rund 178.300 Euro, in Frankreich belaufe sich das Vermögen der Haushalte im Mittel auf 113.500 Euro. Das mittlere Vermögen deutscher Haushalte belaufe sich auf rund 51.400 Euro netto, teilte die Bundesbank mit.

Berechnet wurden die mittleren Vermögen der Haushalte mit dem sogenannten Median. Dabei handelt es sich zwar um einen Mittelwert, der aber auf andere Weise ermittelt wird als der herkömmliche Durchschnittswert, das arithmetische Mittel. Der Median wird dadurch weniger stark durch Ausreißerwerte nach oben und unten verzerrt. Besonders reiche oder arme Haushalte fallen also weniger ins Gewicht.

Zur Berechnung des Medians wurde eine repräsentative Auswahl der 40 Millionen Haushalte in Deutschland in einer Reihenfolge nach aufsteigendem Vermögen aufgereiht und die Gesamtzahl der Haushalte dann in zwei Hälften geteilt: Auf der einen Seite liegen die Haushalte mit einem Vermögen über dem Mittelwert, auf der anderen Seite Haushalte mit einem geringeren Vermögen.

Nicht alle Vermögensansprüche erfasst

Für das im Vergleich mit anderen Euroländern geringere mittlere Vermögen der Haushalte in Deutschland gibt es nach Angaben der Bundesbank eine Reihe von Gründen. So seien etwa nicht alle Vermögensansprüche der Haushalte erfasst wie etwa gegenüber der gesetzlichen Sozialversicherung. Damit aber würden für viele Haushalte "die meisten der Lebensrisiken und Grundbedürfnisse zumindest prinzipiell" abgedeckt. Beispiele hierfür seien die gesetzliche Vorsorge für Alter, Arbeitslosigkeit oder Krankheit. Aber auch staatlich finanzierte Bildung an Schulen und Hochschulen falle darunter.

Das mittlere Vermögen in Deutschland werde auch immer noch durch die Wiedervereinigung gedrückt, teilte die Bundesbank weiter mit. Daneben sei die Neigung der Deutschen, Immobilien zu kaufen, vergleichsweise gering.

Auch bei Berechnung des Vermögens der Haushalte über den herkömmlichen Durchschnittswert liegen die Deutschen hinter anderen Eurostaaten zurück, wie aus der Untersuchung der Bundesbank hervorgeht. Bei spanischen Haushalten liege das durchschnittliche Vermögen bei 285.800 Euro netto, in Österreich bei 265.000 Euro und in Frankreich bei 229.300 Euro. In Deutschland belaufe sich der Wert auf 195.200 Euro - liegt aber im Westen mit 230.240 Euro in etwa auf dem Niveau von Frankreich. Für Italien liegt kein Durchschnittswert vor.

Die Bundesbank befragte für die repräsentative Untersuchung knapp 3.600 Haushalte in Deutschland zwischen September 2010 und Juli 2011. In den anderen Euroländern erfolgten ähnliche Befragungen, mit deren Ergebnissen die Notenbanken ihre Entscheidungsgrundlagen verbessern wollen. (APA, 22.3.2013)

Share if you care.