Sorgenfalten auf Klinsmanns Stirn

21. März 2013, 20:01
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Zahlreiche Ausfälle im Team der USA vor Spielen gegen Costa Rica und Mexiko - Kritik: Klinsmanns Fähigkeiten werden infrage gestellt

Denver - Die Sorgenfalten auf den Stirnen von USA-Coach Jürgen Klinsmann und seinem Assistenten Andreas Herzog angesichts der wichtigen WM-Qualifikationspartien gegen Costa Rica (Freitag) und in Mexiko (Dienstag) sind tief. Zahlreiche Spieler - darunter viele aus der deutschen Bundesliga - haben abgesagt, dabei wären Erfolge nach der 1:2-Auftaktschlappe gegen Honduras im Februar dringend notwendig. Klinsmann, der diesmal wieder Rapid-Stürmer Terrence Boyd nominierte, sprach von einem "Pflichtsieg" gegen Costa Rica.

Unter den acht fehlenden Spielern sind u.a. Einsergoalie Tim Howard (Everton), die Verteidiger Steven Cherundolo (Hannover) und Fabian Johnson, Mittelfeldmann Danny Williams (beide Hoffenheim) sowie Edgar Castillo (Tijuana). Immerhin steht der Schalker Jermaine Jones zur Verfügung. Der siebenfache Teamspieler Boyd wird von dieser Situation aber eher nicht profitieren. Gerade im Angriff ist man mit Clint Dempsey, Jozy Altidore und Eddie Johnson nach wie vor gut aufgestellt.

"Wir haben dennoch einen Kader, der uns das Vertrauen gibt, positiv an beide Spiele herangehen zu können", erklärte Klinsmann, der teilweise auswahlunerfahrene Kicker aus der Major League Soccer (MLS) nachnominierte. Der Deutsche muss auch auf den US-Rekordtorschützen Landon Donovan verzichten, der sich eine Auszeit genommen hat, und sah von einer Einberufung von Carlos Bocanegra ab, der beim spanischen Zweitligisten Racing Santander keine Spielminuten erhält.

Kritik an Klinsmann

Gerüchten über Unruhe im US-Team trat der Spanien-Legionär dennoch entgegen. In US-Medien hatten namentlich nicht genannte Spieler Klinsmanns Fähigkeiten infrage gestellt. "Overcoached and undertrained" hieß es etwa, der Zugang des Ex-Weltmeisters sei zudem "konfus". Für Bocanegra nicht nachvollziehbar. "Jürgen hat viele neue Ideen eingebracht und hat eine Vision", schrieb er auf Facebook. "Nicht jeder Spieler wird mit den Entscheidungen und Methoden glücklich sein, aber er (Klinsmann) wird dir ins Gesicht sagen, wo du stehst."

Leise Kritik an der Arbeit von Klinsmann kam auch von Ex-US-Teamchef Bruce Arena. Dem Trainer von MLS-Champion LA Galaxy ist Dorn im Auge, dass vermehrt auf nicht in den Staaten aufgewachsene Spieler gesetzt wird. Klinsmann setzt seit seiner Amtsübernahme 2011 auf etliche in Deutschland geborene Akteure.

Im aktuellen Kader sind dies neben dem in Bremen zur Welt gekommenen Rapidler Boyd auch der in Frankfurt geborene Jermaine Jones (Schalke 04). Bei beiden kommt der Vater aus den USA womit sie für die US-Mannschaft spielberechtigt sind.

"Spieler des Nationalteams sollten meiner Meinung nach Amerikaner sein", sagte Arena nun gegenüber dem US-Sportsender ESPN. Er würde sich wünschen, mehr Spieler aus der US-Liga im Team zu sehen. Über Klinsmanns Leistungen als Trainer wollte sich der zweifache WM-Teamchef (2002, 2006) mit den USA nicht äußern: "Sein Ziel ist die Teilnahme an der WM, und ich denke, sie werden es schaffen." (APA/Reuters, 21.3.2013)

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