Strache: Mehr ist nicht drin

Kolumne21. März 2013, 19:16
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Die FPÖ wird sich damit abfinden müssen, dass in Heinz-Christian Strache nicht viel Führungsqualität steckt

Wie das oft so gespielt wird, wenn ein Parteiführer und seine Entourage nicht zur Kenntnis nehmen wollen, dass ihr Stern im Sinken ist - schuld daran sind die Medien. Das solcherart erzeugte Selbstmitleid soll in der Partei jeden Gedanken daran ersticken, mit einem anderen Führer könnte es vielleicht besser laufen. Derzeit lässt sich Heinz-Christian Strache parallel zu seinem Autoritätsabbau innerparteilich zu einem Opfer der vierten Gewalt aufbauen. Die Medien hätten sich nach den Landtagswahlen auf die FPÖ eingeschossen, um seinen Erfolg bei der Nationalratswahl zu verhindern, lässt er verbreiten. Nach allem, was seinen Gesinnungsfreunden in Kärnten und seiner FPÖ in Niederösterreich zuletzt widerfahren ist, und so wie er die Folgen dieser Ereignisse in den Griff zu kriegen versuchte, ist diese Taktik gar fadenscheinig.

Nicht einmal Medien, die Strache eh ganz nett finden, können das Chaos unter den Rechten beschönigen, aber dass es an Hilfe gänzlich fehlt, wäre auch falsch. So hat "Österreich" am Wochenende dreimal verkündet, wo Strache sein politisches Heil doch noch finden könnte, nämlich im privaten Glück. "Hochzeit soll ihn jetzt retten." Und wie! "Es ist genau der Coup abseits der Niederungen der heimischen Innenpolitik, der HC Straches derzeit etwas angeschlagenes Sieger-Image wieder aufpolieren könnte: eine richtige Traumhochzeit." Und die Mitteilung, dass der Verlobungsring von Tiffany 10.000 Euro gekostet hat, soll wohl seine Seriosität als solventer Brautwerber untermauern.

Irgendwer dürfte da die beflügelnde Wirkung einer Legalisierung privaten Glücks auf das Wählerverhalten ebenso überschätzen wie die Begeisterung von Dörfler und Co, auf ihre Landtagsmandate zu verzichten, nur weil ein Bräutigam es verlangt. Die FPÖ wird sich damit abfinden müssen, dass mehr an Führungsqualität, als er in diesen Tagen bewiesen hat, in ihm einfach nicht drinsteckt. Solange es reichte, mit Anti-Ausländer-Parolen gegen die Koalition zu poltern, schien alles gut zu laufen. Aber schon ein konfuser Milliardär ohne Programm, aber mit ähnlicher Programmatik, sorgt für schwere Verunsicherung. Sich unmittelbar vor der Wahl in Kärnten noch rasch in Hoffnung auf Gedeih mit der Scheuch-Gang zu verbünden, zeugt von einem Mangel an politischem Gespür, der auch mit der heißesten Traumhochzeit nicht auszubügeln sein wird.

Das Problem von Radauparteien besteht unter anderem darin, dass sie immer einen Vortrommler brauchen. Wenn der erlahmt, müsste rasch ein neuer her. Aber keiner, der das Zeug dazu hätte, ist derzeit in der FPÖ auszumachen. Die Burschenschafter mögen im Hintergrund wirken, öffentlich herzeigbar sind sie nicht, und die persönlichen Ohrenbläser des jetzigen Obmanns sind es erst recht nicht. Also wird Strache weiterhin dort den Ton angeben, wo und wie er es kann: mit Kickls Witzen krachledern im Bierzelt.

Es ist ja nichts Schlechtes daran, die Stufe seiner Kompetenz weitere fünf Jahre halten zu können. Um die FPÖ muss man sich keine Sorgen machen, die hat ihre Klientel. Nur die Träume von der Neuauflage einer schwarz-blauen Koalition verblassen - wo sie noch geträumt werden. (Günter Traxler, DER STANDARD, 22.3.2013)

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