Wien: Prozess um Hupenterror im Gemeindebau

21. März 2013, 18:53
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Junges Paar als Vandalen und Pizzabesteller angeklagt

Wien - Wenn die Hupe tönte, gingen im Gemeindebau die Türen auf. Denn die Bewohner des Gebäudes in Wien-Margareten wussten im Frühjahr und Sommer 2012, was das akustische Signal bedeutete: dass sich wieder ein Vandalenakt im Haus ereignet hatte. Mit Superkleber verklebte Türschlösser, Schmierereien, Zündeleien, ausgestreuter Müll.

Rund 20-mal Pizzaboten an Tür geschickt

Jasmin K. und Manuel S., 22 und 24 Jahre alt, sollen die Täter sein, daher sitzt das junge Paar vor Richterin Andrea Wolfrum. Beide leugnen. Nur zu einem Anklagepunkt bekennen sie sich schuldig: dass sie ihrer Nachbarin Monika J. rund 20-mal den Pizzaboten an die Wohnungstür geschickt haben - teilweise dreimal pro Nacht. Begründung: Sie habe K.s Mutter, Hausmeisterin der Anlage, öfters bei der Stadt angeschwärzt, daher wollte man sie hinausekeln.

Seltsam nur, dass J. das nicht nur bestreitet, sondern auch das Hauptopfer der Vandalenakte ist, die zum Einsatz ziviler Polizisten führten, die im Stiegenhaus lauerten. Einer davon sagt aus, dass er beobachtete, wie sich unmittelbar nach einem Anschlag die Wohnungstür der Angeklagten schloss und später niemand aufmachte, obwohl Licht brannte.

Vertagung des Prozesses

Monatelang verdächtigte jeder jeden, schildern die Zeugen. Man hing an den Gucklöchern, um den Gang zu beobachten, An- und Abwesenheit von Autos wurden registriert, eine Frau wollte Puder ausstreuen, um die Fluchtrichtung des Täters zu eruieren.

Warum sie von einigen Zeugen belastet werden, können sich die Angeklagten nicht erklären. "Die lügen alle?", fragt Wolfrum. "Keine Ahnung", antwortet S.

Der Prozess wird zur Einholung eines DNA-Gutachtens vertagt. (Michael Möseneder, DER STANDARD, 22.3.2013)

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