Die Kunst der Erhaltung und Weltrettung

21. März 2013, 18:48
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Die Kooperation CMRK von Kunstverein, Rotor und Camera Austria eröffnete drei Ausstellungen: Kroatische Fotografie, eine Ukeles-Personale und Strategien gegen das Weltenende

Graz - "Ich wasche, reinige, koche, erneuere, unterstütze, konserviere, etc. verdammt viel. Ebenso (bisher davon getrennt) 'mache' ich Kunst." Denn sie sei gleichzeitig Künstlerin, Frau, Ehefrau und Mutter, konstatierte Mierle Laderman Ukeles 1969. In einem Manifest forderte sie damals die Aufhebung der Grenzen zwischen den alltäglichen Notwendigkeiten und der künstlerischen Arbeit im Leben von Künstlern. Denn in der Aufteilung dieser Lebensbereiche sah Ukeles auch die Rolle von Kunstschaffenden in der Gesellschaft zurückgedrängt.

"Nun werde ich einfach diese alltäglichen Dinge tun und sie ins Bewusstsein heraufbringen, sie zur Schau stellen, als Kunst", so die 1939 in Denver geborene Künstlerin weiter. Das Manifest war der Startschuss für Ukeles Maintenance Art Works.

Einerseits führte Ukeles auf unzähligen Schreibmaschinenseiten genaues Protokoll über ihren Tagesablauf - etwa von nächtlichen Fütterungen und vom Windelwechseln. Andererseits entwarf sie Formulare für "normale" Menschen und sogenannte Avantgardekünstler, worin diese genau angeben sollten, wie viel Zeit sie für "Erhaltungsaktivitäten" aufbringen müssten.

Diese Dokumente, ebenso wie Fotoserien über Menschen, die beruflich "Maintenance Work" für andere verrichten, etwa Hausmeisterinnen oder Putzfrauen, sind Teil der Ausstellung Maintenance Art Works 1969 bis 1980 im neu ausgerichteten Grazer Kunstverein. Der künstlerische Leiter Krist Gruijthuijsen zeigt damit die erste Personale der Amerikanerin in Europa. Ukeles hat auch als Fotografin ein beeindruckendes Werk, in dem sie etwa ihre Aktionen in Israel und den USA dokumentierte, geschaffen. Die Ausstellung wurde 1998 von der New Yorker Galerie Ronald Feldman Fine Arts konzipiert.

Neu im Kunstverein ist auch eine Bibliothek, die von Mitgliedern des Vereins mit besonderen Büchern aus dem persönlichen Fundus bestückt werden und vor Ort in einem Lesebereich konsumiert werden kann. Zudem will man in den nächsten Jahren die Galerieräume im Palais Trauttmansdorff systematisch durch den Einsatz von Möbel- und Designstücken sowie Kunstwerken "erforschen".

Hunde, tot auf Perserteppich Derzeit ist das ein großflächiger Perserteppich von Nina Beier. Auf ihm sollen Galeriebesucher ihren Hunden befehlen, sich tot zu stellen, und so temporäre "Stillleben" schaffen.

Und Gruijthuijsen wird jede Ausstellung künftig in der gleichen Position eröffnen: an ein Minusobjekt von Michelangelo Pistoletto gelehnt. Es ist die zaunähnliche Skulptur Struttura per parlare in piedi (Struktur zum Sprechen im Stehen) aus den 1960er-Jahren.

Der Kunstverein hat sich - wie berichtet - 2012 mit dem Zentrum für zeitgenössische Kunst Rotor und der Camera Austria zur Kooperation CMRK zusammengeschlossen, Ausstellungen werden gemeinsam beworben und am selben Abend eröffnet.

Zeitgleich mit dem Kunstverein eröffnete man im Rotor den ersten Teil des Jahresprogramms Maßnahmen zur Rettung der Welt. Künstler analysieren hier den Zustand - und Alternativen zu einer Welt vor dem Kollaps. Der vierzigjährige Nevan Lahart aus dem irischen Kilkenny ist nach eigenen Angaben stets auf der Suche nach jenen Mächten, die meist im Verborgenen die Welt regieren - und nicht zum Vorteil der Menschheit.

Das thematisiert er in seiner Kunst mit großem Gestus: Für den Rotor baute Lahart die Headquarters des mächtigen wie umstrittenen Agrarkonzerns Monsanto in St. Louis/Missouri originalgetreu nach - und zerstörte sie dann. Titel der imposanten Skulptur, die den Eingangsraum der Galerie völlig ausfüllt, ist bezeichnenderweise Voodoo Skulptur - Monsanto Hauptquartier.

Die Künstlergruppe ekw14,90 zeigt zwei Räume weiter witzige, scheinbar wissenschaftliche Zeichnungen aus der Serie Wir haben es nicht kommen sehen, aber wir fanden einen Weg, die von einer langen Liste apokalyptischer Hollywoodfilmen inspiriert sind.

Experimentelle und konzeptionelle Fotografie von kroatischen Künstlern, etwa Tomislav Gotovac, Edita Schubert oder Vlatka Horvat, aus den 1950ern bis zur Gegenwart zeigt die Camera Austria in der Schau Zero Point of Meaning. Es sind oft stille, sehr genaue Blicke auf Zeiten der Umbrüche und die Realität, in der die Künstler in Jugoslawien lebten. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, 22.3.2013)

  • Mierle Laderman Ukeles bis 19. 5.
  • Maßnahmen zur Rettung der Welt bis 25.5.
  • Zero Point of Meaning bis 26. 5.
  • Die "Voodoo Skulptur Monsanto - Hauptquartier" des Iren Nevan Lahart im Eingangsbereich des Rotors spricht eine klare Sprache.
    foto: rotor

    Die "Voodoo Skulptur Monsanto - Hauptquartier" des Iren Nevan Lahart im Eingangsbereich des Rotors spricht eine klare Sprache.

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