Zu schade für die Lade

21. März 2013, 18:03
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Vor zehn Jahren wurde das Kunstmuseum Lentos in Linz eröffnet - Man feiert mit der eigenen Sammlung

Linz - Im großen Saal des Lentos begibt man sich auf eine Kunst-, Erinnerungs- und Assoziations suche. Hier ist ein Großteil der Neuerwerbungen und Schenkungen zu sehen, die dem Lentos in den ersten zehn Jahren zugegangen sind: Als neueste Erwerbung aus dem Jahr 2012 ist eine Installation ("Astronautenanzug und Video") von Ralo Mayer zu sehen. Ebenfalls 2012 wurde Béatrice Dreux' Bild "Menschenfresserin mit blauem Lamm" angekauft, und Jack Hauser schenkte dem Linzer Museum das collagierte Tableau "Bilder aus der Wohnung Miryam van Doren", das zwischen 1999 und 2007 entstanden ist.

Die vielen unterschiedlichen Arbeiten - Malerei, Skulptur, Fotografie, Video, Skulptur und installative Konzeptkunst - bilden einen höchst inspirierenden Rundgang durch zehn Jahre Sammlungstätigkeit, ein Zeitraum, in dem übrigens das Ankaufsbudget von nicht einmal 100.000 Euro unverändert blieb.

Es sind auch Erinnerungsstücke an vergangene Ausstellungen, an Personalen wie jene für Gottfried Helnwein (von dem eine schöne, ganz ruhige und zurückgenommene Arbeit zu sehen ist) oder für Markus Schinwald und an kleinere Ausstellungen, an die man sich gerne erinnert, weil sie die leisen, streitfähigen im Untergeschoß des Lentos waren: Ralo Mayer etwa oder Ursula Mayer (die beiden haben nur zufällig die gleichen Nachnamen), die sich genreübergreifend zwischen bildender Kunst und Film positioniert, ihr "Loop Trilogy" aus dem Jahr 2006 läuft auch unter den Neuzugängen.

Unmerklich gestaltet sich diese Sammlungsausstellung assoziativ. Der Mensch und seine Verstrickungen, die Fantasie des Menschen - so könnte man die unterschiedlichen Gruppierungen betiteln, meint Direktorin Stella  Rollig bei einem kurzen Rundgang.

Weniger Interpretationsspielraum bleibt in den weiteren Ausstellungsräumen, wo sich von Künstlerinnen und Künstlern kuratierte Nischen mit themenspezifischen abwechseln. Anetta Mona Chisa und Lucia Tkácová konzentrieren sich dabei auf textliche Arbeiten und beginnen mit einer eigenen, einem Neonschriftbild, neben das sie Marlene Harings Selbstporträt als extrem behaarte "Blondine" setzen. Valie Exports "Fingergedicht" und Daniel Spoerris "Kreuzworträtsel" finden sich ebenfalls in diesem ersten Raum.

Klares Kuratorenkonzept

Einfach und klar ist Nasan Turs Raum- und Kuratorenkonzept. In die Mitte des Raumes setzt er seine eigene Arbeit: die Fotoserie "Bautzner Straße", die in der Dresdner Untersuchungshaftanstalt ent standen ist. Ein kleiner Raum, einer Zelle nachgebildet, dessen Wände mit Fotos unterschiedlicher Zellentüren von innen in  immergleichen Einstellungen behängt sind. "Draußen", also an den Wänden des Raumes, in dem Turs Zelle sich befindet, platziert der Künstler Sammlungsgemälde, die eine gewisse Weite der Landschaft zeigen - Caspar David Friedrich etwa - und er erinnert damit daran, dass die - großteils politischen - Häftlinge dieses speziellen Gefängnisses während der DDR nie die Möglichkeit hatten, den Himmel zu sehen.

Außerdem haben Maria Bussmann, Eva und Adele und Gerwald Rockenschaub kuratiert, Rollig selbst und ihre Mitarbeiterinnen Nina Kirsch, Brigitte Reuter und Elisabeth Novak-Thaller haben - ganz offensichtlich mit großer Freude und Verstand (zum Beispiel: "Zu schade für die Lade") - themenspezifisch die übrigen Räume bespielt.

Im Untergeschoß wurde außerdem eine Ausstellung des 43-jährigen US-amerikanischen Konzeptkünstlers Jason Dodge eröffnet - übrigens die erste in Österreich: künstlerisch aufgeladene Alltagsgegenstände. (Wiltrud Hackl, DER STANDARD, 22.3.2013)

Bis 9. Juni

  • Blondinen haben mehr Spaß: "Weil jedes Haar anders ist" von Marlene Haring.
    foto: haring

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