Bürokratie vertreibt Studierende

21. März 2013, 18:22
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Laut einer Studie des Integrationsfonds wird das Potenzial von ausländischen Studierenden zu wenig genutzt

Wien - Österreich nutzt das Potenzial ausländischer Studierender zu wenig. Das ist das Ergebnis einer Studie, die im Auftrag des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) erstellt wurde und die dem STANDARD vorliegt.

Demnach ist Österreich und da wiederum besonders Wien für ausländische Studierende als Studienort besonders attraktiv, nach Abschluss des Studiums würden auch gerne bis zu 44 Prozent bleiben und hier arbeiten. Doch den meisten machen die bürokratischen Hürden in Österreich einen Strich durch die Rechnung - was sich in Zahlen fassen lässt: Letztendlich bleiben nur 16 Prozent aus Drittstaaten nach Abschluss ihres Studiums tatsächlich in Österreich.

Zu hohe Einkommensgrenze

Ein wesentlicher Grund, der viele vom Bleiben abhält, ist die hohe Einkommensgrenze, die bei der Rot-Weiß-Rot-Card vorgegeben ist, und die unzureichende Information, hält der Integrationsfonds in der Studie fest. Derzeit liegt die Einkommensgrenze für eine befristete Aufenthaltsgenehmigung bei knapp 2000 Euro.

Ein derart hohes Einstiegsgehalt ist für Bachelorabsolventen beinahe unmöglich zu erreichen, heißt es in der Studie. Dadurch gehe der heimischen Wirtschaft wertvolles Potenzial verloren.

Außerdem würden Arbeitgeber den bürokratischen Aufwand, Studienabsolventen mit Drittstaatsangehörigkeit einzustellen, als zu hoch bewerten, führt die Studie aus.

Kurz fühlt sich bestätigt

Ebenfalls problematisch: Etwa 55 Prozent der ausländischen Studierenden fühlen sich zu wenig über ihre Chancen in Österreich informiert. Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz (ÖVP), der bereits seit längerem auf eine Reform der Rot-Weiß-Rot-Card drängt, fühlt sich durch das Ergebnis der Studie bestätigt. "Wir bilden junge Menschen mit Steuergeld aus, aber arbeiten und Steuern zahlen tun sie dann woanders - weil wir sie nicht lassen. Das ist total unvernünftig", sagt er. Kurz will künftig eine Anerkennung des Bachelors, die Senkung der Einkommensgrenze der Rot-Weiß-Rot-Card und den Abbau von Bürokratie.

Für Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl ist mit der Rot-Weiß-Rot-Card ein "wichtiger Schritt gelungen, um Österreich als Arbeitsstandort für Fachkräfte aus Drittstaaten attraktiv zu machen". Jetzt seien aber weitere Verbesserungen nötig. Leitl fordert im STANDARD-Gespräch "weniger Bürokratie im Verfahren und eine moderatere Einkommensgrenze". (Saskia Jungnikl, DER STANDARD, 22.3.2013)

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    Ausländische Studierende büffeln gerne in Österreich, fast die Hälfte von ihnen wollen nach Abschluss der Ausbildung hier arbeiten. Doch die hohen Hürden, die der Staat aufstellt, schrecken viele ab.

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