Seelenschau mit Stühlen

22. März 2013, 10:52
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Hagnot Elischka und Anselm Lipgens ("Einmaliges Gastspiel") bringen Platons "Phaidon" auf die Theaterbühne im Palais Kabelwerk

Wien – Nach der Auseinandersetzung mit psychisch kranken und traumatisierten Patienten in den erfolgreichen Produktionen Psychiatrie und Trauma führt die Wiener Gruppe Einmaliges Gastspiel nun ein Stück Philosophiegeschichte auf.

 Phaidon, der vom griechischen Philosophen Platon aufgeschriebene Dialog über Sokrates letzten Tag in der Todeszelle, eignet sich auf den ersten Blick nur sehr bedingt für eine  Theateraufführung. Hagnot Elischka, der auch für die Dramaturgie verantwortlich zeichnet, und Anselm Lipgens gelingt es aber, nicht nur in 14 verschiedene Rollen zu schlüpfen, sondern auch witzig und erfrischend unpathetisch die letzten Gedanken von Sokrates und seinen Freunden, und zwar wörtlich nach Platons Urtext, zu vermitteln.

Phaidon erzählt seinem Freund Echekrates von den Stunden vor der Hinrichtung von Sokrates, in denen dieser seinen Schülern eine allerletzte Lektion erteilte – den Beweis für die Unsterblichkeit der Seele. Auf der fast nackten Bühne und zwischen etlichen Holzstühlen, die so unterschiedlich beschaffen sind wie Sokrates’ Diskussionspartner, liefern sich Elischka alias Sokrates und Lipgens in den Rollen der Schüler einen körperlich wie geistig fordernden Schlagabtausch.

Tournee-Erfolg

Uraufgeführt wurde diese Theaterperformance in der Regie von Michael Aichhorn (1949–2008) bereits 1995, als Koproduktion der Gruppen W.U.T. und Einmaliges Gastspiel in der ehemaligen Hofapotheke im Alten AKH Wien. Die Produktion tourte daraufhin in Deutschland, war 2005 im Posthof Linz zu erleben und ist schließlich 2013 im Wiener Palais Kabelwerks zu Gast. Für die nächsten Spieltermine braucht man unbedingt Geduld, man sollte sie sich jedoch dringend vormerken. Von "einmaligem Gastspiel" kann keine Rede sein. (Elisa Weingartner, DER STANDARD, 22.3.2013)

25., 26.11.

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