Indien: Schärfere Gesetze gegen Vergewaltiger in Kraft

21. März 2013, 15:56
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Die Regierung reagierte mit der Gesetzesänderung auf Massenproteste nach der Gruppenvergewaltigung einer Studentin

Neu-Delhi - Drei Monate nach der Gruppenvergewaltigung einer Studentin hat Indien schärfere Gesetze in Kraft gesetzt. Das Parlament billigte am Donnerstag eine entsprechende Erweiterung des Strafrechts. Täter müssen demnach mit härteren Strafen rechnen, dasselbe gilt bei unterlassener Hilfeleistung. Die Höchststrafe bei Vergewaltigung bleibt die lebenslange Haft. Im Wiederholungsfall sowie im Fall, dass das Opfer fast umgebracht wurde, droht nun auch die Todesstrafe. Zuletzt wurde die Todesstrafe von Angehörigen der getöteten Studentin für ihre Peiniger gefordert. PolizistInnen und KrankenhausmitarbeiterInnen müssen bis zu zwei Jahre ins Gefängnis, wenn sie einem Vergewaltigungsopfer nicht helfen oder dessen Vorwürfe nicht verfolgen.

Hintergrund ist der Fall einer 23-jährigen Studentin, die im Dezember nach einer besonders brutalen Gruppenvergewaltigung ihren Verletzungen erlag. Das Verbrechen führte zu einer beispiellosen Protestwelle in Indien mit zahlreichen Massendemonstrationen. Erneut für internationales Aufsehen sorgte am Wochenende die Gruppenvergewaltigung einer 39-jährigen Touristin aus der Schweiz.

Kritik von Frauenrechtlerinnen

Die indische Gesellschaft gilt als weitgehend patriarchal geprägt. Gewalt gegen Frauen steht quasi auf der Tagesordnung. Nach dem Willen der Regierung soll das nun verabschiedete sogenannte "Anti-Vergewaltigungs-Gesetz" einen grundlegenden Mentalitätswandel anstoßen. Innenminister Sushil Kumar Shinde verspricht sich davon sogar eine "Revolution" in dem Land. Frauenrechtlerinnen äußerten sich dagegen kritisch. Ihrer Ansicht nach sind die Änderungen nicht ausreichend. Ungewiss sei zudem die Umsetzung.

Gruppenvergewaltigung gilt künftig als gesondertes Delikt. Auch Voyeurismus, Stalking, Säureattacken und Menschenhandel werden als eigene Straftatbestände geführt. Der Begriff der Vergewaltigung wird erweitert ebenso wie der der sexuellen Belästigung.

Neun von zehn Frauen Opfer von Gewalt

Noch bevor die brutale Vergewaltigung mit Todesfolge geschah, wurde in Neu Delhi eine Studie über das Sicherheitsgefühl von Frauen gemacht. Es zeigte sich, dass sich nur fünf Prozent der Frauen und Mädchen in der indischen Hauptstadt sicher vor sexueller Gewalt fühlen. Mehr als jede zweite befragte Frau gab an, sich im eigenen Wohngebiet die ganze Zeit über Unsicher zu fühlen. Außerdem wurden laut der Studie neun von zehn Frauen schon einmal in der Öffentlichkeit Opfer von sexueller Gewalt. Die Studien-Autorinnen zählen dazu neben sexuellen Übergriffen und dem Entblößen von Genitalien auch Stalking, anzügliche Kommentare und Hinterherpfeifen. (Reuters, red, dieStandard.at, 21.3.2013)

  • Der Massenprotest hat sich für die Inderinnen gelohnt. Ihre Forderungen nach härteren Strafen bei Vergewaltigungen treten nun in Kraft.
    foto: ap/mahesh kumar a

    Der Massenprotest hat sich für die Inderinnen gelohnt. Ihre Forderungen nach härteren Strafen bei Vergewaltigungen treten nun in Kraft.

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