Blei: Neue Armaturen als potenzielle Gefahr

21. März 2013, 11:18
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Bleihaltiges Trinkwasser kann zu kindlichen Entwicklungsstörungen führen und die Neigung zu Bluthochdruck verstärken

Wien - Ein Liter Trinkwasser darf ab Dezember 2013 nicht einmal mehr die Hälfte des derzeit tolerierten Bleigehalts aufweisen. Anlässlich des Weltwassertages am Freitag empfiehlt die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) daher rechtzeitige und klare Strategien zur Umsetzung des neuen Grenzwerts. "Aus medizinischer Sicht ist es zu begrüßen, dass mit Dezember die Bleiobergrenze gesenkt wird. Die Grenzwertabsenkung erfordert jedoch verstärkte Anstrengungen bei der Sanierung alter Leitungen", sagte Gerd Oberfeld, Referent für Umweltmedizin der ÖÄK, am Donnerstag in einer Aussendung.

Ursache von erhöhtem Bleigehalt im Trinkwasser können alte Bleileitungen sein: In den vergangenen Jahren tauchen aber immer öfter auch bleihältige Armaturen am heimischen Markt auf, wie der Verein für Konsumentenschutz (VKI) mehrfach aufgezeigt hat. Die öffentliche Hand habe in den vergangenen Jahren alte Bleileitungen wohl verstärkt ausgetauscht, es müssten aber auch private Eigentümer angehalten werden, entsprechende Sanierungen durchzuführen.

Ursache und Wirkung

Auf lange Sicht kann laut Österreichischer Ärztekammer der Genuss von bleihältigem Trinkwasser unter anderem zu Entwicklungsstörungen bei Kindern führen sowie etwa die Neigung zu Bluthochdruck verstärken. Wenn der Bleigehalt im Leitungswasser erhöht oder nicht bekannt ist, sei es generell empfehlenswert, das Wasser vor dem Trinken oder Kochen so lange rinnen zu lassen, bis eine konstant kühle Temperatur erreicht ist.

Zu erhöhter Bleikonzentration im Trinkwasser kommt es, wenn Wasser aus Bleirohren oder über bleihältige Armaturen gezapft wird, nachdem aus demselben Wasserhahn längere Zeit kein Wasser entnommen wurde, beispielsweise über Nacht (Stagnationswasser).

Als Faustregel gilt: Je weicher und wärmer das Wasser und je niedriger sein pH-Wert, desto mehr von dem Schwermetall wird aus Bleileitungen oder bleihältigen Armaturen herausgelöst. Der hohe Kalkanteil in hartem Wasser bildet hingegen mit der Zeit eine Art Schutzschicht um Armaturen und Leitungen, die das Herauslösen von Blei hemmt. Die Senkung des Grenzwerts von 25 Mikrogramm Blei pro Liter auf zehn Mikrogramm per 1. Dezember 2013 ist in der Österreichischen Trinkwasserverordnung von 2001 festgelegt, die damit einer EU-Richtlinie entspricht. (red, derStandard.at, 21.3.2013)

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