Mangelhafte Aufklärung übers "Haarelassen"

21. März 2013, 13:46
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Zur professionellen Haarentfernung zählt auch die Aufklärung über Kosten und Nebenwirkungen - Der VKI ortet mangelhafte Beratung

Wien - Zum Thema "Haare" haben viele Mitmenschen ein eher ambivalentes Verhältnis: Auf dem Kopf sollen sie möglichst dicht sprießen, unter den Achseln und auf den Beinen werden sie hingegen - vor allem von Frauen - nicht gern gesehen. Wer nicht ständig selbst zu Rasierer, Wachs oder Pinzette greifen möchte, lässt sich den unerwünschten Haarwuchs in professionellen Studios per Laser oder mit einem "Intensed Pulsed Light"-Gerät (IPL) entfernen. Dabei werden die Haarfollikel, an deren unterem Ende die Haarwurzel liegt, verödet oder zerstört.

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) testete 15 zufällig ausgewählte Anbieter in Wien und prüfte wie gut die Haarentfernungsstudios ihr Klientel über Risiken, Dauer und Kosten informieren. Das Ergebnis ist nur wenig berauschend: Lediglich vier Haarentfernungszentren lieferten den Testern ein umfassendes Angebot und schnitten deshalb mit der Note "gut" oder "sehr gut" ab. Der Rest - also rund 75 Prozent - wurde nur mit "durchschnittlich" (5 Anbieter) oder "weniger zufriedenstellend" (6 Anbieter) bewertet.

Kostspielig und langwierig

Wer sich von einem Teil seiner Körperbehaarung längerfristig verabschieden möchte, muss damit rechnen, dass es nicht mit einem einmaligen Termin getan ist. "Je nach Hauttyp, Farbe und Menge der Haare können bis zu zehn Sitzungen fällig werden. Da immer nur der Teil der Haare behandelt werden kann, der sich gerade in der Wachstumsphase befindet, müssen die Einheiten im Abstand von sechs bis zwölf Wochen wiederholt werden. In dieser Zeit sollte man nicht nur auf Solariumsbesuche und Selbstbräuner, sondern auch auf direkte Sonneneinstrahlung verzichten. Zudem ist die Behandlung durchaus kostspielig: Die getesteten Anbieter verrechnen etwa für die Enthaarung einer Männerbrust zwischen 42 und 400 Euro pro Sitzung", erklärt Gesundheitsexpertin Angela Tichy vom VKI.

Keine Erfolgsgarantie

Eine Enthaarung per Laser oder IPL funktioniert am besten bei dunkler Behaarung, da das Licht vom im Haar enthaltenen Melanin absorbiert und in Wärme umgewandelt wird. Dadurch kommt es zur Verödung der Wurzel. Auch wenn die Methode mit dem Prädikat "dauerhaft" ausgestattet ist, kann es sein, dass die Haare nach einiger Zeit doch wieder nachwachsen. "Seriöse Anbieter werden diesen Umstand genauso wenig verschweigen wie mögliche gesundheitliche Nebenwirkungen. Obwohl die Risiken überschaubar sind, kann es in Einzelfällen doch zu Problemen wie Schwellungen, Bläschenbildung oder Verbrennungen kommen", betont Tichy.

In den meisten Fällen war das Informationsangebot eher lückenhaft. So erläuterten nur sechs Anbieter den Ablauf der Behandlung und in drei Fällen erkundigte man sich, ob Medikamente eingenommen werden. Die Frage nach einer etwaigen Sonnenallergie wurde überhaupt nie gestellt.

Konsumenten sollten letztendlich immer bedenken: Trotz eines sehr ausführlichen und kompetenten Beratungsgesprächs beginnen sie womöglich wieder zu sprießen, die unerwünschten Haare. (red, derStandard.at, 21.3.2013)

Wissen: Details zur Erhebung

Alle 15 Anbieter wurden von zwei Testpersonen telefonisch kontaktiert und um eine Beratung für eine Haarentfernung gebeten. Unmittelbar nach Verlassen der Studios oder Zentrums erfolgte die Dokumentation des Besuchs mittels eines vereinheitlichten Erhebungsbogens. Zur Beurteilung der Einzelfragen kam das Schulnotenprinzip (1-5) zur Anwendung. Sämtliche Fragebögen wurden am Ende der Testserie auf Vollständigkeit und Verständlichkeit geprüft.

  • Wer nicht ständig selbst zum Rasierer greifen möchte, kann sich die Haare auch in professionellen Studios entfernen lassen. Laut VKI ist die Beratung und Information zu Kosten, Nebenwirkungen und Dauer größtenteils mangelhaft.
    foto: georg diener

    Wer nicht ständig selbst zum Rasierer greifen möchte, kann sich die Haare auch in professionellen Studios entfernen lassen. Laut VKI ist die Beratung und Information zu Kosten, Nebenwirkungen und Dauer größtenteils mangelhaft.

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