Sequester-Einsparungen treffen Indianerreservate in den USA massiv

21. März 2013, 14:53
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Marodes Gesundheitssystem und Schulwesen von Budgetkürzungen betroffen

Zu Beginn seiner Amtszeit versprach US-Präsident Barack Obama eine finanziellen und inhaltliche Aussöhnung mit den indigenen Einwohnern der USA. "Ich bekenne mich uneingeschränkt dazu, gemeinsam mit euch vorwärtszugehen und zusammen eine neue und bessere Zukunft zu gestalten", erklärte er Ende November 2009 auf einer Konferenz der mehr als 560 offiziell anerkannten Stämmen in Washington. Zwar wurden einigen mittlerweile Milliardenentschädigungen für entgangene Öl- und Gasförder-Provisionen sowie Weide- und Fischereirechte ausgezahlt, die soziale Situation der nordamerikanischen Indigenen allgemein verbesserte sich in den letzten Jahren nur unwesentlich.

"Hirnloses Sparprogramm"

Nun dürfte das "hirnlose Sparprogramm der Regierung", wie die New York Times den Sequester, die automatischen Kürzungen des US-Budgets, nennt, auch die Reservate massiv treffen. Zwar sind große Gesundheitsprogramme wie Medicaid oder das Children’s Health Insurance-Programm von der Sequestrierung ausgenommen, das Indian Health Service allerdings nicht.

Fünf Prozent ihres Budget muss das notorisch unterfinanzierte Indian Health Service einsparen, obwohl ein Gesetz aus dem Jahr 1985 ein Budgetkürzung von mehr als zwei Prozent untersagt. Yvette Roubideaux, Direktorin des Gesundheitsdienstleisters, bereitete die Stammeschefs schon im September auf Sparmaßnahmen vor.

Das Indian Health Service betreibt 320 Gesundheitszentren, 45 Krankenhäuser, 115 Gesundheitsstationen und vier Ausbildungszentren. Die meisten davon sind in den Reservaten, wo Armut, Krankheit, Suchtmittelmissbrauch und Selbstmord massive Probleme darstellen. In den letzten zehn Jahren hat die Subventionierung des Gesundheitssystems für Indigene zwar zugenommen, so dass die massivsten Probleme sich einigermaßen stabilisieren ließen. Trotzdem würde das Budget nicht bis Ende des Jahres reichen, erklärt Roubideaux der New York Times.

Aber nicht nur das Gesundheitswesen ist betroffen, auch das Schulsystem der indigenen Bevölkerung leidet unter dem Sparzwang. Noch mehr als die staatlichen Schulen hängen die Schulen für die indigene Bevölkerung nämlich von Förderungen ab. In Minnesotas indigenen Schulen hat man versucht, den Budgetkürzungen zuvorzukommen, indem man Stellen nicht nachbesetzte, die Schüleranzahl pro Klasse erhöhte oder Einsparungen bei den Sicherheitsvorkehrungen vornahm.

Soziale Problematik

Die indigene Bevölkerung gehört zu den ärmsten Bevölkerungsgruppe der USA. Jahrhunderte der Unterdrückung haben Spuren hinterlassen. Noch heute gibt es bei den nordamerikanischen Ureinwohnern mehr Arbeitslose, Alkoholiker, Schulabbrecher, mehr chronisch Kranke und eine höhere Kindersterblichkeit als in anderen Schichten. In manchen Reservaten beträgt die Arbeitslosigkeit 80 Prozent, ein Viertel aller Indigenen in den USA lebt in Armut (Stand 2010). Mehr als 14 Prozent aller Häuser der Ureinwohner haben keinen Strom, etwa genauso viele keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. In den USA leben rund zwei Millionen Ureinwohner in Reservaten.

Die Stämme sind in vielen Dingen eigenständig und rechtlich den Bundesstaaten überlegen. Eine eigene Währung dürfen sie ebenso wenig haben wie eine eigene Armee, aber ansonsten nennen sie sich "souveräne Nationen". Einige geben sogar eigene Reisepässe heraus - was nicht selten an Flughäfen für Probleme sorgt. Und die Irokesen erklärten sowohl 1917 als auch 1941 Deutschland den Krieg. Weil der Stamm aber in keinem Friedensvertrag auftauchte, sind, rein rechtlich, die Irokesen immer noch im Kriegszustand mit Deutschland. (red, derStandard.at, 21.3.2013)

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    Gesundheitszentrum in Fort Yates, Verwaltungssitz von Sioux County in North Dakota.

     

     

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