Seoul unter Cyberschock

21. März 2013, 08:41
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TV-Sender, Banken gehackt - Pjöngjang unter Verdacht

Cyberalarmin Südkorea: Nach Ausfällen in den IT-Systemen von Fernsehstationen und Banken aufgrund vermuteter Cyberangriffe versuchten die südkoreanischen Behörden am Mittwoch festzustellen, wer hinter den Attacken stehen könnte. Der naheliegende Verdacht: die zuletzt äußerst aggressiv agierenden Nachbarn über dem 38. Breitengrad.Die Server bei den Stationen YTN, MBC und KBS waren von den Störungen betroffen ebenso wie die Shinhan-Bank und die NongHyup-Bank. Auf einigen Servern wurden Dateien gelöscht, die Systeme der Firmen waren teilweise heruntergefahren, die Sendungen der TV-Stationen allerdings nicht in Mitleidenschaft gezogen.

"Wir haben Teams zu allen Unternehmen geschickt, um die Lage einzuschätzen und Beweise zu sammeln. Das wird einige Tage dauern", erklärte ein Ermittler.

Alarmbereitschaft

Die südkoreanischen Streitkräfte erklärten, sie seien nicht von den Störungen betroffen, würden aber trotzdem ihre Alarmbereitschaft erhöhen. Offiziell wollte niemand in Seoul über die möglicherweise in Nordkorea sitzenden Urheber des Vorfalles spekulieren. Pjöngjang hatte zuletzt dem Süden und den USA sogar mit einem präventiven Nuklearangriff gedroht. Allerdings hat Nordkorea bereits in der Vergangenheit südkoreanische Zeitungen, Banken und Regierungsbehörden aus dem Cyberspace angegriffen. Einige dieser Attacken wurde auch über österreichische Server geroutet.

Der umfangreichste Angriff war eine zehn Tage andauernde Denial-of-Service-Attacke auf den Süden, während millionenfach Datenpakete an IT-Systeme in Südkorea geschickt wurden, um dort Systeme zu blockieren. Die Internet-Sicherheitsfirma McAfee bezeichnete diese Pjöngjang zugerechnete Attacke als "Ten Days of Rain" ("Zehn Tage Regen").

Offensiv und defensiv gut Cyberkriegsführungsexperten wie der frühere "Cyber-Zar" der US-Regierung Richard Clarke billigen den Nordkoreanern hohe Fähigkeiten in der virtuellen Kriegsführung zu. Pjöngjang verfüge über eine gut ausgebildete Hackertruppe und entsprechende militärische IT-Offensivfähigkeiten. Gleichzeitig allerdings sei das abgeschottete Land aufgrund seiner eigenen, äußerst geringen Vernetztheit durch Cyberangriffe nur sehr schwer zu treffen und dadurch defensiv gut aufgestellt, schreibt Clarke in seinem Buch World Wide War. (pra, DER STANDARD, 21.3. 2013)

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