Angehörigenpflege: Wenn aus Liebe Leid wird

21. März 2013, 08:48
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Pflegende Angehörige brauchen Unterstützung, bevor sie an ihre Grenzen stossen

Wien – Der plötzliche Pflegebedarf eines geliebten Menschen im Alter bringt massive Veränderungen mit sich. Wie pflegende Angehörige mit den damit verbundenen Herausforderungen umgehen können und welche Unterstützungsmöglichkeiten es gibt – diesen Fragen ging die Volkshilfe Wien gestern im Rahmen einer Fachveranstaltung in Wien nach.

"Ein Großteil der Menschen in Österreich entscheidet sich dafür, ihre Angehörigen selbst zu pflegen oder zumindest bei ihrer Pflege mitzuwirken", so die Vorsitzende der Volkshilfe Wien Erika Stubenvoll und betont: "Wichtig dabei ist, dass sich pflegende Angehörige rechtzeitig professionelle Unterstützung holen, bevor sie an ihre Grenzen stoßen. Die Volkshilfe Wien bietet dafür vielfältige Hilfe an."

Soziale Isolation

Verwitwung, schlechte Gesundheit und eingeschränkte Mobilität, sowie starke Selbstbezogenheit würden zur Vereinsamung im Alter führen, erklärt Franz Kolland vom Institut für Soziologie an der Universität Wien in seinem Vortrag. Soziale Isolation und Einsamkeit seien aber keine irreversiblen Phänomene. Partnerschaften, Kinder, bestehende emotional positive Beziehungen, Integration in ehrenamtliche beziehungsweise soziale Aktivitäten, lange Wohndauer und Berufstätigkeit zählt Kolland zu jenen Faktoren, die Einsamkeit verringern. Betroffenen rät der Soziologe, "die eigenen Erwartungen zu senken, mehr Netzwerke zu bilden und Stress zu reduzieren." Außerdem sei es auf institutioneller Ebene notwendig, mehr Gelegenheiten für Kontakt und Kommunikation zu schaffen.

Lebensunterhalt finanzieren

"In Wien können sich alle diese Unterstützung leisten, unabhängig von Einkommen und Pflegegeld," so Monika Pinaz, Fachbereichsleiterin für Pflege und Betreuung des Fonds Soziales Wien. In den Beratungseinrichtungen der Organisation können sich Menschen, die Angehörige pflegen, über Hilfsmittel, die den Alltag erleichtern können und Pflegeangebote für zu Hause informieren.

Auch die Volkshilfe Wien bietet Pflegedienstleistungen an – mit dem Ziel, ihren Klienten ein selbstbestimmtes Leben zu Hause in gewohnter Umgebung zu ermöglichen und gleichzeitig pflegende Angehörige zu entlasten. "Das Interesse an unseren Angeboten ist groß. Allerdings wollen – oder vielleicht auch müssen – immer mehr Pflegebedürftige auf Unterstützung verzichten. Wir vermuten, dass zumindest ein Teil von ihnen das Pflegegeld nutzt, um damit den Lebensunterhalt finanzieren zu können.", befürchtet Sonja Kriz, Pflegedienstleiterin der Volkshilfe Wien. (red, derStandard.at, 21.3.2013)

 

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