Bekannter ungarischer Antisemit gab seinen Orden zurück

20. März 2013, 22:00
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Szaniszlo kritisierte "Verleumdungskampagne" und den "Druck auf Ungarn"

Budapest - Der für seine antisemitischen Verschwörungstheorien bekannte ungarische Fernsehjournalist Ferenc Szaniszlo gibt den am ungarischen Nationalfeiertag, dem 15, März, erhaltenen "Tancsics-Preis" zurück. Das erklärte Szaniszlo am Mittwochabend im ungarischen Fernsehsender Echo-TV, in dem er moderiert. Der ungarische Minister für Humanressourcen, Zoltan Balog, hatte Szaniszlo aufgefordert, den Preis zurückzugeben, den dieser "aus Versehen" erhalten hätte. Balog hat angeblich nichts von den antisemitischen Äußerungen Szaniszlos gewusst.

Szaniszlo wies jegliche Anschuldigungen zurück. Während der Journalist seine eigenen beruflichen Erfolge lobte, kritisierte er die sozialliberale Vorgängerregierung, die ihm 2010 bereits den "Tanciscs-Preis" verwehrt hatte. Heute werde eine "Verleumdungskampagne" gegen ihn geführt. Dabei sei es gelungen, den Minister Balog "mit unglaublichen Lügen irrezuführen". Er gebe den Preis zurück, da Ungarn "unter massivem Druck stehe", betonte Szaniszlo.

Verschwörungstheorien im TV verbreitet

Minister Balog war wegen der Vergabe dieser hohen staatlichen Ehrung an Szaniszlo im In- und Ausland scharf kritisiert worden. Unter diesem Druck forderte Balog am Dienstagabend den Fernsehmoderator des der Orban-Regierung nahe stehenden Senders Echo-TV auf, den Orden zurückzugeben. "Seien Sie so freundlich und geben Sie den aus Versehen übergebenen Preis zurück", schrieb Balog in seinem Brief an Szaniszlo und vertraut auf dessen "kluge Entscheidung", zitierte die Ungarische Nachrichtenagentur MTI.

Szaniszlo hatte im Echo-TV antisemitische Verschwörungstheorien verbreitet und die Minderheit der Roma als "Menschenaffen" diffamiert. Die staatliche Medienaufsichtsbehörde hatte den Sender deshalb 2011 mit einer Geldstrafe belegt.

Aus Protest gegen die Vergabe des Preises an Szaniszlo gaben über zehn frühere Preisträger ihre Auszeichnung zurück. (APA, 20.3.2013)

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