FPK-Wahldesaster: Der Vergleich macht Sie unsicher

Kolumne20. März 2013, 19:27
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Über einen erstaunlichen Vergleich von Gerhard Dörfler und die soziale Intelligenz von Heinz-Christian Strache

Die Arbeit von Meinungsforschern wird oft mit der von Meteorologen verglichen. Besonders dann, wenn sie durch falsche Wahlprognosen oder eine übersehene Gewitterfront in Erklärungsnotstand gebracht werden. In beiden Fällen ist eine gewisse Fehler-Anfälligkeit berufsimmanent, deren Rechtfertigungsmöglichkeiten jedoch Grenzen gesetzt sind. Kaum vorstellbar, dass ein Wetterforscher, der einen Eissturm mit Schneeverwehungen als Hitzwelle mit Dürreperiode vorausgesagt hat, anstelle eines sofortigen Berufswechsels sich mit dem Argument "Die Wolken sind so deppat!" verteidigt. Umso verblüffender die Aussage des Kärntner Demoskopen Franz Witzeling, dessen "Humaninstitut" zwei Wochen vor der Landtagswahl der FPK satte 29 Prozent und einen sicheren Wahlsieg prophezeit hat: Schuld an diesem Umfrage-Super-GAU sei die " Undurchschaubarkeit der Kärntner Seele" und außerdem: "Die Masse ist uninteressiert oder polarisiert."

Übertroffen werden die Kühnheit und Sinnfreiheit dieser Ausrede nur von Gerhard Dörflers Wahldesaster-Begründung, wonach viele Bürger ihm gestanden hätten, "am Sonntag falsch gewählt zu haben". Ob die Ursache dafür in unzureichender Alphabetisierung potenzieller FPK-Wähler zu suchen ist, verrät Dörfler nicht. Stattdessen überrascht er mit tiefgehenden Erkenntnissen: "Ich bin ein philosophischer Mensch. Politik ist doch wie Formel-1-Fahren, nur ohne Bremsen." Ein erstaunlicher Vergleich, wenn man bedenkt, dass es einen Boliden ohne Bremsen schon aus der ersten Kurve hauen würde und man beim Ex-Landeshauptmann eher an das Bild eines Rennautos ohne Lenkrad denkt. Aber als "philosophischer Mensch" hat er noch mehr zu bieten: "Wir können viel vom Dalai Lama lernen. Er geht ohne Scheu auf die Menschen zu und bringt sie vor Rührung zum Weinen."

Volltreffer! Genau diese Strategie könnte die freiheitliche Bewegung aus ihrer Krise führen. Das scheint auch Heinz-Christian Strache zu spüren. Wenn er dieser Tage gar nicht scharf genug seine Distanz zu jener FPK hervorheben kann, über die er noch vor nicht einmal drei Wochen meinte: "Wir sind eine freiheitliche Familie, und wir alle kandidieren in dieser FPK!", fällt es schwer, ein Gefühl der Rührung zu unterdrücken.

Feuchte Augen bekommt man aber erst, wenn Strache nach dem Vorbild Dörflers zum philosophischen Menschen wird. So geschehen in einem Profil-Interview, in dem er zunächst das Dritte Reich mit der EU vergleicht und sein daraufhin fälliges Zurückrudern als Erkenntniskritik von nahezu nihilistischer Radikalität formuliert: "Ein Vergleich ist dazu da, um festzustellen, dass man beides nicht vergleichen kann." Das ist inhaltlich wie "Eine Gnackwatschn ist dazu da, um festzustellen, dass es keine Gnackwatschn gibt", klingt aber geheimnisvoller.

Und schließlich kennen die Tränen der Rührung spätestens dann keinen Halt mehr, wenn der Bundesparteiobmann freimütig bekennt: "Ich verfüge über hohe soziale Intelligenz!" Ein Satz, der erst recht wieder einen Vergleich heraufbeschwört, klingt er doch aus Straches Mund wie das trotzige Aufbegehren eines von Hautkrankheiten befallenen Nacktmulls: "Ich verfüge über große innere Schönheit!" (Florian Scheuba, DER STANDARD, 21.3.2013)

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