So wird der Handy-Bildschirm dreidimensional

20. März 2013, 19:16
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Holografie 2.0: Neuartiges Display ist besonders dünn und benötigt für 3-D-Effekte keine Spezialbrillen

London/Wien - Dass wir die Welt um uns räumlich wahrnehmen, liegt vor allem an unseren zwei Augen, die im Abstand von durchschnittlich 63 Millimetern die Umgebung aus zwei leicht verschiedenen Perspektiven "aufnehmen". Im Gehirn werden die beiden Bilder dann in ein dreidimensionales Bild umgewandelt - und fertig. Wenn wir freilich nur auf eine zweidimensionale Oberfläche blicken - so wie Sie jetzt beim Lesen dieser Zeilen - dann braucht es einige technische Tricks für die Illusion einer dritten Dimension.

Um Filme auf einer Kinoleinwand in 3-D sehen zu können, benötigt man erstens entsprechend aufgenommene Filme und zweitens Brillen mit speziellen Gläsern, die gemeinsam für die gewünschten Effekte sorgen. Früher einmal waren das Brillen mit einem roten und einem grünen Glas, die für 3-D sorgten. Für die neuen digitalen 3-D-Aufnahme- und Projektionsverfahren braucht es sogenannte Shutter- oder Polarisationsbrillen.

Dreidimensionale Effekte ohne Brillen zu erzielen ist nicht ganz einfach. Die Holografie, für deren Entwicklung Dennis Gábor 1971 den Physik-Nobelpreis erhielt, ist so eine Technologie. Doch ihr Problem ist, dass damit keine bewegten Bilder gezeigt werden können. Ein anderes Verfahren erzeugt den 3-D-Effekt mit Linsen, die aber einige Millimeter dick sind - und damit für Handys oder andere mobile Geräte ungeeignet.

Nun aber haben Forscher des Computerherstellers Hewlett-Packard (HP) einen völlig neuartigen und extradünnen Bildschirm entwickelt, der auch einfache Animationen in 3-D zeigen kann. Und natürlich ist auch keine spezielle Brille nötig, um den dreidimensionalen Effekt zu sehen, berichtet das Team um David Fattal im der Wissenschaftsmagazin "Nature".

Wie die Forscher erläutern, ist das Display selbst transparent. Darauf befinden sich viele kleine Pixel, die das Licht reflektierten. Sie sind mit winzigen Rillen versehen und werfen einfallendes Licht so jeweils in eine bestimmte Richtung zurück. Zurzeit sind 14 Richtungen möglich, doch die Forscher gehen davon aus, dass bis zu 64 Richtungen möglich seien. Der räumliche Effekt, den wir durch unsere beiden Augen erzielen, entsteht dabei durch das abgebildete Objekt selbst, das auch noch bewegt in 3-D erscheint.

Der besonders dünne Bildschirm eigne sich gut für tragbare Elektronikgeräte, so die Wissenschafter. Bis es allerdings so weit ist, sind noch einige technische Hürden zu überwinden. Und dann ist da noch die Frage, ob wir überhaupt 3-D-Bildschirme am Handy haben wollen. (tasch, DER STANDARD, 21.3.2013)

  • Das Logo des Elektronikherstellers Hewlett-Packard erscheint auf dem neu entwickelten Bildschirm in 3-D.
    foto: kar han tan

    Das Logo des Elektronikherstellers Hewlett-Packard erscheint auf dem neu entwickelten Bildschirm in 3-D.

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