Obama in Israel: Eine Art Wiedergutmachung

20. März 2013, 18:29
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Demonstrative Freundlichkeiten kennzeichneten den Auftakt des Israel-Besuchs von US-Präsident Obama. Heiße Themen sind Syrien und das iranische Atomprogramm, der Nahost-Konflikt dürfte keine zentrale Rolle spielen

Vom ersten Augenblick an bemühte man sich, so zu tun, als hätte es nie irgendwelche Spannungen gegeben. Mit breitem Lächeln entstieg Barack Obama Mittwochmittag auf dem Ben-Gurion-Flughafen bei Tel Aviv der "Air Force One" und schlenderte dann mit betont entspannter Körpersprache über die roten Teppiche und das Rollfeld.

Der immer wieder angesprochene "unzerbrechliche Bund" zwischen den beiden Völkern schien sich schon in dem augenfälligen Detail auszudrücken, dass die Krawatten des US-Präsidenten, seines greisen israelischen Amtskollegen Shimon Peres und des Premiers Benjamin Netanjahu in genau dem gleichen metallischen Blau erstrahlten. Und Obama erntete sofort Applaus, als er in seine ersten Sätze ein paar hebräische Worte einflocht: "Schalom, es ist gut, wieder im Land zu sein."

Reiseziel "kein Zufall"

Der Besuch wird von den Israelis und offenbar auch von Obama als eine Art Wiedergutmachung dafür gesehen, dass er sich gleich nach seinem Amtsantritt 2009 in Kairo an die islamische Welt gewandt hatte, aber als Präsident bisher nie in Israel gewesen war – mit ein Grund dafür, dass Obama den Israelis als einer der unfreundlichsten US-Präsidenten gilt. "Zu Beginn meiner zweiten Amtszeit", hob Obama nun hervor, "ist Israel das erste Ziel auf meiner ersten Auslandsreise – das ist kein Zufall." Und in seine kurze Ansprache packte Obama gleich alles hinein, was die Israelis gerne hören: Israel sei "die historische Heimat des jüdischen Volkes", sagte er, und "die USA stehen zu Israel, weil das in unserem fundamentalen nationalen Sicherheitsinteresse liegt".

Netanjahu hatte von einem "historischen Besuch" gesprochen und Obama überschwänglich für die "großzügige Militärhilfe" und sonstige Unterstützung gedankt: "Danke dafür, dass Sie in diesen Zeiten historischer Veränderungen im Nahen Osten zu Israel stehen." Auf dem Rollfeld waren Batterien der Raketenabwehrsysteme "Eiserne Kuppel" und "Pfeil" samt Crews aufgestellt, nicht etwa zum Einsatz, sondern damit Obama sie als Beispiele gemeinsamer Entwicklungsprojekte inspizieren konnte.

Die Israelis hatten klargemacht, dass sie vor allem über den Iran sprechen wollten. Sie erhofften sich von Obama konkretere Aussagen darüber, wie er die befürchtete iranische Atombombe zu verhindern gedenke und wie lange er noch auf Verhandlungen setzen wolle.

"Alle Optionen auf dem Tisch"

Dem kam Obama nach einer ersten Gesprächsrunde mit Netanjahu vor Journalisten auch nach. Der US-Präsident machte erneut deutlich, dass die USA notfalls auch mit Waffengewalt eine nukleare Aufrüstung des Irans verhindern wollen. Zwar ziehe er weiterhin eine diplomatische Lösung vor, sagte Obama in Jerusalem, fügte aber hinzu: "Alle Optionen sind auf dem Tisch." Wörtlich sagte er: "Wir haben keine Politik der Eindämmung. Unsere Politik ist es, den Iran daran zu hindern, Nuklearwaffen zu erlangen".

Eine scharfe Warnung richtete Obama an das Assad-Regime in Syrien, keine Chemiewaffen anzuwenden oder an Terroristen weiterzuleiten. Dies wäre ein "ernster und dramatischer Fehler", für den das Regime in Damaskus verantwortlich gemacht würde. Erneut mahnte Obama eine Zwei-Staaten-Lösung zwischen Israelis und Palästinensern an. Ziel sei es, dass ein sicherer israelischer Staat und ein friedlicher palästinensischer Staat nebeneinander bestehen. 

Netanyahu bekannte sich zu einem Neuanlauf im Friedensprozess mit den Palästinensern. Er hoffe, dass der Besuch von US-Präsident Barack Obama dazu beitrage, die Meinungsunterschiede beiseite zu lassen und ein neues Kapitel aufzuschlagen, sagte Netanyahu am Mittwochabend nach einem ersten längeren Gespräch mit Obama während dessen Israel-Besuchs. Israel fühle sich dem Friedensprozess in vollem Umfang verpflichtet. (Ben Segenreich, DER STANDARD/APA, 21.3.2013)

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    Harmonie auch bei den Krawatten: die Präsidenten Shimon Peres und Barack Obama sowie Premier Benjamin Netanjahu (v. li.).

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    Bei einer Pressekonferenz mit Netanjahu betonte Obama, dass in Sachen Iran "alle Optionen am Tisch" liegen.

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