Faltersterben: Erst die Holzfäller, jetzt Pestizide

21. März 2013, 05:30
62 Postings

Die Zahl der Monarchfalter in Amerika ist dramatisch gesunken: Waren es früher Rodungen in Mexiko, die ihnen das Leben schwer machten, so dürfte jetzt der Pestizideinsatz in den USA die Ursache sein

Jedes Jahr kommen sie im November zu Millionen angeflattert, um in Zentralmexiko zu überwintern. Denn im Hochland der Bundesstaaten Michoacán und Mexiko wächst genau jener Baum, der den schwarz-orangefarbenen Monarchfaltern das ideale Umfeld zum Überwintern und Vermehren bietet. Und dieses lautlose, faszinierende Spektakel der Tiere zieht Naturliebhaber und Urlauber immer wieder aufs Neue in seinen Bann.

Doch in dieser Saison ist die Zahl der ankommenden Monarchschmetterlinge drastisch zurückgegangen. Fast 60 Prozent weniger Exemplare zählten Naturschützer - das ist das niedrigste Niveau in zwei Jahrzehnten und nur noch ein Fünftel der Zahl von 1997.

Nur noch neun Kolonien pro Hektar

In einer im Dezember und Jänner durchgeführten Studie wurden nur noch neun Kolonien gezählt, die gerade einmal einen Hektar belegten. Der Rückgang ist dramatisch - aber nicht überraschend. Seit Jahren schrumpft die Zahl der Schmetterlinge stetig, so der Forscher Chip Taylor von der Universität Kansas.

Die Falter leben im Sommer in Nordamerika und machen sich im Herbst auf eine mehrere tausend Kilometer lange Reise Richtung Mexiko. Im Frühjahr flattert die nächste Generation zurück zu den großen Seen. Keine Generation wiederholt die Reise, dafür ist die Lebensdauer der Falter zu kurz. Die Route ist aber auf geheimnisvolle Art ins kollektive Gedächtnis eingebrannt.

In den 1990er-Jahren stand vor allem Mexiko wegen mangelnder Schutzmaßnahmen am Pranger: Die Holzmafia zerstörte nahezu unbehelligt die Oyamel-Wälder. Nach internationalem Druck beschloss die Regierung jedoch ein großes Schutzprogramm. Seither ging der Holzeinschlag zurück.

Pestizideinsatz

Doch nun liegt das Problem offenbar im Norden. Der World Wide Fund for Nature machte den Einsatz von Pestiziden im Stammland der Schmetterlinge rund um die großen Seen in den USA und Kanada dafür verantwortlich. In der Kornkammer werden laut Taylor mehr als vier Millionen Hektar gentechnisch veränderter Mais und Soja angebaut. Derart riesige Monokulturen erforderten einen enormen Einsatz des Herbizids Glyphosat zur Schädlingsbekämpfung. Dadurch würden die Seidenpflanzen absterben, von denen sich der Schmetterling hauptsächlich ernährt.

Hinzu kämen extreme Klimaschwankungen in Nordamerika, so der WWF, der die Studie zusammen mit der mexikanischen Regierung und dem Sponsor des Schutzgebiets, der Telefonfirma Telcel, präsentierte. "Der Schutz der Falter obliegt allen drei Ländern. Mexiko hat seine Aufgabe erledigt, ein Schutzgebiet errichtet und die Abholzung praktisch gestoppt. Nun müssen auch die USA und Kanada ihren Teil beitragen", so Omar Vidal vom WWF. Dabei geht es nach Ansicht von Taylor nicht nur um den Schutz des Monarchfalters, sondern generell um den Verlust bestäubender Insekten durch den Pestizideinsatz in der Landwirtschaft. (Sandra Weiss aus Puebla, DER STANDARD, 21.3.2013)

  • Nur noch neun Monarchfalter-Kolonien wurden im Dezember und Jänner von Naturschützern in Zentralmexiko gezählt.
    foto: epa photo afpi/mario vazquez/rc/dc/rix/mr

    Nur noch neun Monarchfalter-Kolonien wurden im Dezember und Jänner von Naturschützern in Zentralmexiko gezählt.

Share if you care.