Der Filmriss und die Mordanklage

20. März 2013, 17:53
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21-Jähriger soll versucht haben, Bekannten zu erstechen

Wien - Nach einem Vollrausch inklusive Filmriss in einer Gummizelle aufzuwachen und eine Mordanklage am Hals zu haben, ist wenig erstrebenswert. Genau das sei ihm aber passiert, verteidigt sich Uugantomir B. vor dem Wiener Geschworenengericht unter Vorsitz von Roland Weber gegen den Vorwurf, er habe Erdenbilag N. am 28. September 2012 ermorden wollen.

Seine Einvernahme dauert nur kurz - der 21-Jährige kann sich praktisch an nichts erinnern. Er habe sich mit dem Opfer, dass er aus dem Internet kannte, getroffen, gemeinsam tranken sie fast eine Flasche Wodka und einige Biere. Man sei in die Wohnung seiner Freundin gefahren, und dann sei er am nächsten Morgen bei der Polizei aufgewacht.

Widersprüchliche Details

Staatsanwältin Claudia Frühwirt präsentiert ihre Version, was dazwischen geschehen ist. Sie gesteht aber gleich ein, dass die Details widersprüchlich sind. Das Opfer erzählt als Zeuge, es habe keinen Streit gegeben, plötzlich sei der Angeklagte mit einem zehn Zentimeter langen Küchenmesser vor ihm gestanden.

Wortlos habe er auf N.s Kopf einzustechen begonnen, wodurch er aber nur oberflächlich und leicht verletzt wurde. Nach einem Stoß fiel N. allerdings durch eine Glastür, eine zehn Zentimeter lange Scherbe bohrte sich in sein Gesäß und verletzte ihn schwer.

N.s Freundin B. erzählt dagegen, es habe einen Streit zwischen den beiden betrunkenen Männern gegeben, beide seien zunächst handgreiflich geworden. Aus Angst habe sie sich dann unter einem Küchentisch versteckt und nichts mehr gesehen.

Keine Blutabnahme trotz Alkoholisierung

Seltsam an dem Fall ist, dass das Opfer zwar nachweislich 2,4 Promille hatte, dem Angeklagten nach der Tat aber kein Blut abgenommen wurde. Der Amtsarzt bescheinigte lediglich eine "leichte Alkoholisierung".

Das Gericht folgt der Linie von Verteidiger Thomas König: kein Mordversuch, sondern schwere Körperverletzung. Das nicht rechtskräftige Urteil: 18 Monate Haft, davon ein Jahr bedingt. (Michael Möseneder, DER STANDARD, 21.3.2013)

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