Promotion - entgeltliche Einschaltung

Marktdesigndebatte soll europäisch geführt werden

21. März 2013, 00:00
4 Postings

Der europäische Strommarkt befindet sich derzeit in einer tiefgreifenden Umbruchphase. An den Börsen wird dies vor allem auf den „Merit-Order-Effekt“, also den Verfall der Strompreise infolge verstärkter Einspeisung elektrischer Energie aus hoch subventionierten Ökostromanlagen, zurückgeführt.

Die Stromgroßhandelspreise liegen faktisch am Boden. An der Leipziger Stromhandelsbörse EEX zeigt der gehandelte Strom-Future seit Monaten nur noch fallende Notierungen. Waren die Phelix Baseload Futures vor einem Jahr noch bei einem Preis von 53 Euro bei einer Strommenge von einer MWh, waren es am 31. Jänner dieses Jahres nur noch 41 Euro – und der Trend zu weiteren Tiefständen hält an. Zum Vergleich: 2008 kostete der Strom an der EEX noch bis zu 95 Euro.

Zugleich läuft auch das CO2-Zertifikat-System mit Tiefstpreisen (aktuell rund vier Euro/t CO2) aus dem Ruder, was dazu führt, dass EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard nun 900 Mio. CO2-Zertifikate zurückhalten will, um dem Preisverfall gegenzusteuern. An der EEX und an der European Power Exchange (EPEX SPOT SE), welche die Strom-Spotmärkte für Deutschland, Frankreich, Österreich und der Schweiz betreibt, sorgt man sich jedenfalls, dass die integrierten europäischer Energiemärkte zu wenig beachtet werden.

"Wir wünschen uns ein klares Bekenntnis zu Markt und Wettbewerb und plädieren dafür, die Debatte um die Weiterentwicklung des Strommarktdesigns nicht national, sondern europäisch zu führen. Nur dann würden Lösungen gefunden, mit denen langfristige Investitionssignale gesetzt werden, auf die sich die E-Wirtschaft verlassen kann", sagt Peter Reitz, EEX-Chief Executive Officer. Andernfalls seien Marktverzerrungen und unterschiedliche nationale Investitionsbedingungen, die nicht mit dem Ziel eines europäischen Energiemarktes in Einklang stehen, unumgänglich.

Kurzfristiger Handel hält an

Im Strommarkt selbst hält der Trend zum kurzfristigen Handel an. Am EEX-Terminmarkt waren die Handelsteilnehmer schon im Vorjahr vermehrt in kurzfristigen Fälligkeiten aktiv, schlossen aber in geringerem Maße langfristige Handelsgeschäfte ab. So wurde am Phelix Futures Markt im Gesamtjahr 2012 18 Prozent mehr Strom in den Tages-, Wochenend-, Wochen-, Quartals- und Monatskontrakten gehandelt als im Jahr zuvor. In den Jahreskontrakten wurde aber 22 Prozent weniger Volumen generiert, weshalb das Handelsvolumen am Strom-Terminmarkt 2012 um insgesamt dreizehn Prozent auf 931 TWh (2011: 1075 TWh) zurückging.

Mit Rekordergebnissen konnte hingegen der Handel mit Emissionsrechten aufwarten: Dieser legte um 139 Prozent auf 254,6 Mio. t CO2 zu. Noch Ende 2012 hat der Börsenrat Kontraktspezifikationen für die Herkunftsnachweise für Grünstorm, die heuer am EEX-Terminmarkt angeboten werden, verabschiedet. Angeboten werden Grünstomzertifikate für Wasserkraft aus der alpinen Region – Deutschland, Österreich und der Schweiz – aus der skandinavischen Region – Dänemark, Finnland, Norwegen und Schweden – sowie Windkraftzertifikate aus Nordeuropa, wobei diese Herkunftsnachweise bis zu drei Jahre in die Zukunft gehandelt werden können.

  • Artikelbild
    grafik: eex
Share if you care.