Architekturzentrum zeigt "Das Gold des Az W"

20. März 2013, 14:27
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Jubiläumsschau zum 20. Geburtstag zeigt Teile der Sammlung im "polyphonen Nebeneinander" - Umzug an den Karlsplatz vorstellbar

Wien - "Das Gold des Az W" nennt das Architekturzentrum Wien (selbst)ironisch seine Jubiläumsschau zum 20. Geburtstag der im Museumsquartier beheimateten Institution. Sehenswert ist die Ausstellung, die am Mittwochabend öffnet und bis 22. Juli zu sehen ist, weniger wegen prunkvoller Preziosen der Sammlung, sondern weil das in den Mittelpunkt gerückt wird, was das an Geldnot leidende Az W für die Gesellschaft so wertvoll macht: kontinuierliche Sammlungs-, Bewahrungs- und Vermittlungsarbeit des baukulturellen Erbes der Nation.

"Unser Plan war, die Gelegenheit zu nutzen, etwas vorzustellen, von dem vielleicht die wenigsten wissen werden, dass es das gibt: die unbekannte Sammlung des Az W", sagte Direktor Dietmar Steiner bei der Presseführung. Auf (später weiterverwendeten) Hochlastregalen wird weniger als ein Prozent der sonst in zwei adaptierten Hallen im niederösterreichischen Möllersdorf auf 1.700 Quadratmeter Fläche gelagerten Sammlungsbestände präsentiert. Rund 400 Exponate, darunter 80 der insgesamt 500 inventarisierten Modelle, sind nach 18 Begriffen von "denken" über "erholen", "lernen" oder "übernachten" bis zu "zelebrieren" und "zusammen wohnen" geordnet worden und sollen "ein großes, polyphones Nebeneinander" ergeben, wie Ute Waditschatka, gemeinsam mit Sonja Pisarik, Monika Platzer und Katrin Stingl Kuratorin der Schau, erklärte.

Achleitner-Archiv als Internet-Voting-Favorit

Manche der Objekte tragen aus dem Pferdehandel stammende gelben Rosetten. Sie zeichnen die 20 bei einem Internet-Voting, an dem sich über 630 Interessierte beteiligten, meistgenannten Objekte der Sammlung aus: Modelle, Fotos, Dokumente und Pläne zu den U-Bahn-Stationen von Johann Georg Gsteu, zu Karl Ehns Karl-Marx-Hof, zu Fritz Wotrubas Kirche in Wien-Mauer oder zu Margarete Schütte-Lihotzkys Baukastensystem für Kindertagesheime sind ebenso dabei wie eine Platte aus der Metall-Fassade von Günther Domenigs Zentralsparkasse Favoriten oder Beleuchtungs- und Orientierungselemente aus Anton Schweighofers "Stadt des Kindes", die 2008 bei einer raschen Bergungsaktion vor der Zerstörung bewahrt wurden. Klare Nummer eins der Abstimmung wurde allerdings das berühmte Achleitner-Archiv, das 2009 von der Stadt Wien angekauft und dem Az W zur Nutzung übergeben wurde und seither den Grundstock der Sammlung bildet.

Monika Platzer wies darauf hin, dass eine Sammlungstätigkeit ursprünglich nicht Grundaufgabe des Az W gewesen sei. Mittlerweile werden aber mehr als 50 Vor- und Nachlässe renommierter Architekten wie Raimund Abraham, Oswald Haerdtl, Wilhelm Holzbauer, Helmut Richter, Anton Schweighofer, Johannes Spalt und Heinz Tesar betreut, dazu kommt eine große Sammlung von Einzelprojekten. Dass sich im Zuge der Internet-Abstimmung etliche Neuzugänge ergaben, dokumentieren in der Schau u.a. Zeichnungen von Boris Podrecca und Gustav Peichl, ein Arbeitsmodell des Grafenegger Wolkenturms von the next ENTERprise-architects oder eine grüne Logo-Leuchte von Palmers.

Die intelligente Ausstellungsgestaltung von BWM Architekten und Partner (Ausstellungsgrafik: Perndl+Co) präsentiert aber nicht nur die Schätze, sondern auf einem großen Wanddisplay auch Aufbau und Geschichte der Sammlung sowie den Alltag der Archivarbeit. Die dringlichsten Probleme seien Platz- und Geldnot (von der Stadt Wien erhält man jährlich 1,45 Mio., vom Bund 360.000 Euro), betonte das Az W-Team.

Warten auf Entscheidung zum Wien Museum

Einmal mehr urgierte Dietmar Steiner ein klares Bekenntnis der Politik, sich zum baukulturellen Erbe und dessen Pflege zu bekennen. "Es müsste nicht unbedingt ein neues Bundesmuseum geben, es gibt auch andere Organisationsformen", meinte Steiner. Derzeit sei das Az W ein gemeinnütziger Verein. Für das Semper-Depot als Standort eines Architekturmuseums habe es bereits ein fertiges Raumkonzept gegeben, derzeit sei diese Variante allerdings nicht mehr aktuell. Einem Einzug in den bei einer eventuellen Übersiedelung des Wien Museums in das neue Hauptbahnhof-Areal freiwerdenden Haerdtl-Bau am Karlsplatz kann man sich dagegen sehr gut vorstellen. Platzer: "Füllen könnten wir ihn leicht."  (APA, 20.3.2013)

  • Nachgefragter analoger Datenspeicher: Achleitners Arbeitsarchiv.
    foto: azw / margherita spiluttini

    Nachgefragter analoger Datenspeicher: Achleitners Arbeitsarchiv.

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