Wrabetz: Investitionen in ORF steigern BIP, Hausjell fordert mehr Geld für ORF

20. März 2013, 13:31
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Zwei Studien sollen Wertschöpfung des ORF für Österreich nachweisen - Hausjell: ORF-Programm unterscheide sich "gravierend vom Programmangebot kommerzieller Sender"

Wien - "Der ORF nützt Österreich", so lautet die Kernaussage zweier aktueller Studien, die am Mittwoch bei einer Pressekonferenz präsentiert wurden. Demnach hat der öffentlich-rechtliche Sender nicht nur positive Effekte auf die intellektuelle Wertschöpfung in Österreich, er trägt auch zum hiesigen Wohlstand bei. "Jeder Euro, den der ORF für seine Fernsehaktivitäten aufwendet, ist mit einer inländischen Bruttowertschöpfung von 1,32 Euro verbunden", referierte Oliver Fritz vom Wifo, der die volkswirtschaftlichen Effekte des ORF berechnet hat.

Auf jeden ORF-Mitarbeiter kommen fünf Beschäftigte in anderen Bereichen der österreichischen Wirtschaft, so Fritz. Im Jahr 2011 hat der ORF 676 Millionen Euro im Bereich Fernsehen ausgegeben. Damit verbunden waren ein gesamtwirtschaftlicher Produktionswert von rund 1,82 Milliarden Euro, eine Bruttowertschöpfung von rund 890 Millionen Euro und eine Beschäftigung von 10.360 Vollzeitäquivalenten, erklärte Fritz.

Auswirkungen auf Tourismus

Erforscht wurden auch die Auswirkungen auf den Tourismus durch ORF-Fernsehserien, die sich vor allem beim "Winzerkönig" nachweisen ließen. Demnach verzeichnete Rust und Umgebung nach Ausstrahlung der Burgenland-Wein-Saga in deren Heimatland einen signifikanten Anstieg von Touristen aus Norwegen und Kroatien.

Die Kommunikationswissenschafter Fritz Hausjell und Katharina Sarikakis untersuchten die intellektuelle Wert schöpfung des ORF-Fernsehens und kamen zu dem Ergebnis, dass sich das ORF-Programm "gravierend vom Programmangebot kommerzieller Sender unterscheidet". Der ORF spiele auch eine entscheidende Rolle, wenn es um österreichische Identität gehe und leiste seinen Beitrag zum Zusammenhalt der Gesellschaft, so Sarikakis.

Hausjell fordert mehr Geld für ORF

Hausjell sieht jedoch bei der österreichischen Medienpolitik zu wenig Verständnis für die bedeutende Rolle des ORF. Die Politik lege dem ORF zum Erreichen seiner Zielsetzungen zu viele Fesseln an, so der Kommunikationswissenschafter mit Hinblick auf das sogenannte Facebook-Verbot. Außerdem warb er für mehr Geld für den ORF, dessen Aufgaben in einer globalen und komplexeren Welt schließlich auch mehr geworden seien. Gerade beim österreichischen Film müsse es dem ORF ermöglicht werden, seine Rolle weiter wahrzunehmen, sonst bestünde die Gefahr, dass Österreich durch "billige und oftmals gezeigte Produktionen aus dem Ausland" noch stärker geprägt werde.

Investitionen in ORF steigern BIP

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz übte sich in Bescheidenheit und betonte, dass der ORF nicht der Einzige sei, der auf dem Mediensektor etwas leiste und daher auch nicht jeder Euro ausschließlich in den ORF investiert werden müsse. Er verwies hier auch auf die intellektuelle Wertschöpfung von Print und darauf, dass sich der ORF grundsätzlich zu einem dualen Markt bekenne. Was der ORF bekanntlich will, ist die Fortsetzung der Gebührenrefundierung, wobei Wrabetz Finanzministerin Maria Fekter die "gute Botschaft" überbrachte, dass aus jedem Euro aus der Refundierung, der richtig eingesetzt würde, 56 Cent zurück in das Budget der Ministerin fließen.

Studien um 52.000 Euro

Mit Hilfe der beiden Studien, die der ORF in Auftrag gegeben hat und die insgesamt 52.000 Euro gekostet haben, sei nun auch wissenschaftlich belegt worden, dass der ORF Werte schafft. Investitionen in das ORF-Programm ermöglichen nicht nur Information und Unterhaltung, sondern steigern auch das Brutto-Inlandsprodukt, sagte Wrabetz. (APA, 20.3.2013)

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